Rheuma
Rheuma in Händen, Füßen und Gelenken kann für Betroffene mit starken Schmerzen und erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden sein. Naturheilkundliche Ansätze bieten Möglichkeiten, Beschwerden sanft zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern. Dazu zählen unter anderem eine angepasste Ernährung, Heilfasten, Yoga, Akupunktur oder Blutegeltherapie. Hier kommen die Natur-Docs mit ihrer ganzheitlichen Therapie zum Einsatz.
Kontakt
Rheuma natürlich lindern: Heilfasten, Ernährung und Yoga statt Medikamente | Natur-Docs
Rheuma in den Händen, Füßen und Gelenken schmerzt und belastet Betroffene sehr. Dabei lässt sich die Krankheit mit Naturmedizin lindern. Ernährung, Heilfasten, Yoga, Blutegeltherapie oder Akupunktur können helfen.
Sprecherin: Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.
Davon sind diese Ärzte und Therapeuten überzeugt. Sie will nur eines, endlich runter von den vielen Tabletten, denn die machen sie schlapp.
Katja Zügern: Ich würde sehr gerne reduzieren, weil ich das Gefühl habe, als ob ich unter einer Glocke versteckt bin.
Sprecherin: Dazu fast kein Tag ohne Schmerzen. In den Händen, Schultern, Knien.
Katja Zügern: Mein Name ist Katja Zügern, ich bin 57 Jahre alt und habe Rheuma.
Sprecherin: Und das schon seit 16 Jahren. Mit Medikamenten hat sie das Rheuma zwar einigermaßen im Griff, aber es gibt eben viele Nebenwirkungen, zu viele. Jetzt hofft sie auf die Hilfe der Natur-Docs.
Das Immanuel Krankenhaus in Berlin-Wannsee. Die Ärzte hier setzen auf Naturheilkunde. Verschiedene Verfahren, deren Wirksamkeit mit Studien belegt sind.
Prof. Andreas Michalsen ist einer der Natur-Docs. Der Internist weiß aus langer Erfahrung, wie sehr entzündliches Rheuma Leben und Alltag beeinflussen, welche Last das sein kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Ich habe so eine Puppe noch mitgebracht. Da wundern Sie sich jetzt vielleicht, das ist kein Voodoo. Wenn es piekt, wenn es wehtut, dann symbolisieren das die Nadeln.
Wären Sie so nett und würden mir mal so zeigen, wo denn der Schmerz am meisten für Sie zu spüren ist?
Katja Zügern: Das sind hauptsächlich die Gelenke. Daumen, Sattelgelenke.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Daumen, Sattelgelenke, ja.
Katja Zügern: Interessanterweise die rechte Seite hier am großen Zeh.
Sprecherin: Eine Nadel nach der anderen. Denn auch Ellbogen, Hände und Schultern tun weh.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Es sind natürlich einige Gelenke dabei. Das brauche ich Ihnen gar nicht zu sagen. Die schränken sehr ein.
Die Daumen, Sattelgelenke, das hört sich so speziell an. Aber wenn man nicht mal mehr ein Glas aufdrehen kann ...
Katja Zügern: Ich hatte es teilweise so schlimm, dass ich mir nicht mal mehr Zähne putzen konnte, weil ich die Zahnpaste nicht halten konnte.
Sprecherin: Neustadt in Holstein. Hier lebt Katja Zügern mit ihrem Mann. Am deutlichsten spürt sie das Rheuma in den Händen, wenn sie immer die gleichen Bewegungen macht.
Katja Zügern: Es kann auch passieren, dass wenn ich so einen Rheumaschub habe, dass der quer durch den ganzen Körper jagt. Das sind dann Zeiten, wo es gar nicht gut ist. Da liege ich manchmal auch im Bett und heule die Nacht durch, weil es einfach so wehtut.
Und man kann dann gar nichts machen.
Sprecherin: Eine starke Belastung für sie, aber auch für die ganze Familie, v.a. für ihren Mann Jörg. Er fühlt sich hilflos, wenn sie wieder einen Rheumaschub hat.
Jörg Zügern: Man kann sie nicht mal mehr trösten, man kann sie gar nicht in den Arm nehmen, weil alles tut weh. Also kann man nur daneben stehen.
Sprecherin: Rheumatoide Arthritis, kurz Rheuma, das ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Sie entsteht durch ein gestörtes Immunsystem. Das soll eigentlich den Körper vor Krankheiten schützen.
Doch bei Autoimmunerkrankungen greifen plötzlich Zellen des Immunsystems eigenes Körpergewebe an. Beim Rheuma entzünden sich dann die Gelenke. Und das kann sehr starke Schmerzen verursachen.
Heilbar ist Rheuma nicht, aber man kann versuchen, es in Zaum zu halten. Meistens wird das mit starken Medikamenten gemacht. Aber jede Wirkung hat eben auch eine Nebenwirkung.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wir sind ja alle sehr froh, dass es jetzt die modernen Antirheumatika gibt. Aber Sie haben jetzt auch schon erfahren, dass es so ein Spiel ist. Die Rheumatoide Arthritis ist ja eine Überreaktion des Immunsystems.
Jetzt versucht man, das ja zu unterdrücken. Aber natürlich, wenn man das Immunsystem unterdrückt, fehlt es an anderer Stelle.
Sprecherin: Das kennt auch Katja Zügern. Im letzten Jahr jagte eine Erkältung die nächste.
Katja Zügern: Das war dann kurz vor Weihnachten. Da habe ich den nächsten Infekt gehabt. Der hat sich auch wieder trotz Antibiotika bis in den Februar hineingezogen.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Was früher nicht war, dass Ihr Körper nicht mehr fertig wird. Das ist ja eine bekannte Nebenwirkung dieser modernen Biologika oder Antirheumatika.
Katja Zügern: Daraufhin hat mein Rheumatologe das auf 2 mg reduziert. Schlagartig war ich diesen Infekt los. Ich fühlte mich vorher so gedämpft wie unter einer Glocke.
Das war wie ein Aufatmen.
Sprecherin: Wenn sie aufatmen kann, funktionieren auch Alltag und Hobbys wieder besser. Doch das große Dilemma, bei weniger Antirheumatika verschwinden zwar die Nebenwirkungen, aber dann kommen die Schmerzen zurück. Und sie ist gezwungen, die Dosis wieder zu erhöhen.
Der Preis dafür, sie fühlt sich schlapp und ist für Infekte anfällig. Genau aus diesem Teufelskreis wollen die Natur-Docs sie jetzt herausholen. Ärzte, Physiotherapeut und Psychologen besprechen gemeinsam ihre Strategie.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Sie hatte mir ja auch im Gespräch erzählt, dass sie eine eindeutige Verschlechterung, Schübe erleidet, wenn sie Fleisch isst. Das ist ein guter Hinweis, wie viel wir mit Ernährungstherapie hier erwirken können. Und dann würden wir natürlich das therapeutische Fasten, das Heilfasten versuchen einzusetzen.
Frank Ruppenthal: Ich würde quasi auch versuchen, als Experiment eine Durchwärmung über die ganze Körperkältetherapie hinzubekommen. Das wird herausfordernd sicher, weil sie fröstelt, dass wir ihr das wirklich versuchen zu erklären, dass sie dann eigentlich den Benefit hat, dass sie danach eine Durchwärmung bekommt.
Christel von Scheidt: Die Idee war aber auch, was kann sie zu Hause machen, dass wir ihr das so zeigen mit den Kneippschen Güssen, dass sie es zu Hause weitermachen kann, auch wie sie es zu Hause weitermachen kann mit einem Gießrohr.
Sprecherin: Zwei intensive Wochen im Krankenhaus liegen vor Katja Zügern. Ihre Krankenkasse übernimmt die Kosten für diese speziellen Therapien.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Die Naturheilkunde zeichnet aus, dass sie wirklich aus verschiedensten Bereichen etwas zusammenbringt, etwas zusammenführt, Ernährung, Physiotherapie, Stressreduktion, manuelle Behandlungen.
Sprecherin: Natur statt Chemie. Zu ihrem Therapiekonzept gehören Kältekammer und tägliche Wassergüsse. Beides soll die Schmerzen lindern.
Doch los geht es mit Heilfasten. Denn das ist entzündungshemmend und wirkt besonders oft und gut bei Rheuma. Tag 1, der sogenannte Entlastungstag.
Heute gibt es kein normales Frühstück mehr für Katja Zügern, v.a. nicht ihren geliebten Kaffee. Fasten, damit hat sie bisher eigentlich keine so guten Erfahrungen gemacht.
Katja Zügern: Ich habe gedacht, so Reis, so ungesalzen und mit Apfelmus. Na ja, mal gucken, aber ist gar nicht so schlecht. Kann man durchaus essen.
Aber wenn es Kopfschmerzen gibt, dann soll ich mich ans Personal wenden. Dann helfen wir die Schwestern da auch weiter.
Sprecherin: Zeit für Kopfschmerzen hat Katja Zügern jetzt sowieso nicht. Denn es geht gleich weiter zum Yoga. In der Naturheilkunde hat die indische Bewegungs- und Meditationslehre einen großen Stellenwert.
Ihr Effekt ist sogar wissenschaftlich bewiesen.
Yoga-Therapeut: Bring dich einfach zurück auf Körpergefühle, ohne Ärger, mit viel Geduld, jedes Mal.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wir haben eine Studie gemacht, wo wir das Stresshormon Cortisol vor und nach einer Stunde gemessen haben. Das geht ganz rapide nach unten. Die Stressreduktion, diese Entspannungstechniken, das wirkt v.a. auf das Immunsystem, was ja das Grundproblem bei der Rheumatoidenarthritis ist.
Sprecherin: Ob das auch bei Katja Zügern so wirken wird? Das muss sich erst noch zeigen. Am 2. Tag steht der nächste Härtetest an. Die Kältekammer mit minus 110°. Dieser Kälteschock soll v.a. gegen ihre Rheumaschmerzen wirken.
Frank Ruppenthal: Das Tolle dabei ist, dass das ihren Körper durchwärmt. Wir bekommen eine Art Frühjahrsputz. Ihre kleinen Gefäße bringen viel mehr Blut in den Umlauf.
Es kommen Nährstoffe in ihren Körper, an Stellen, wo es sonst nicht so hinkommt. Im Idealfall wirkt das nicht nur während und kurz nach der Kältekammer, sondern Stunden, Wochen oder Monate.
Sprecherin: Katja Zügern muss sich jetzt doppelt überwinden. Nicht nur wegen der Kälte von minus 110°. Nein, sie muss das Ganze auch noch im Badeanzug ertragen.
Immerhin darf sie Handschuhe, Stirnband und Schuhe anziehen.
Frank Ruppenthal: Gehen Sie bitte im Kreis, bewegen die Arme und die Beine.
Katja Zügern: Ich hatte ganz schön Schnappatmung, als ich da reingegangen bin. Dann war noch dieser Nebel da. So ganz wohl habe ich mich nicht gefühlt.
Sprecherin: Tag 2 auch beim Heilfasten. Saft, Brühe, Tee. Ab jetzt gibt es nur noch flüssige Mahlzeiten.
Fast keine Nahrung. Ein altes und lang bewährtes Konzept gegen rheumatische Entzündungen. Denn der Körper produziert automatisch Entzündungsstoffe aus den Molekülen der Nahrung.
Ein Vorgang, den das Fasten reduziert. Dazu verändert sich langfristig der Stoffwechsel. Und das sogar über die Zeit des Hungerns hinaus.
Denn der Körper greift auf seine Energiepolster zurück. Fett, Glykogen und Protein. Außerdem wird der Prozess der Autophagie angekurbelt.
Was so viel heißt wie Selbstverdauung. Eine Art Recycling-Programm der Zellen.
Hunger hat Katja Zügern nicht. Aber ihr Kopf, der brummt.
Katja Zügern: Kaffeeentzug bin ich ziemlich überzeugt. Ich habe doch bis zu einen Liter Kaffee getrunken sonst täglich. Der fehlt.
Sprecherin: Dennoch hält Katja Zygern das Fasten in den kommenden Tagen besser durch als zunächst gedacht. Ihre Kopfschmerzen verschwinden und den Kaffee vermisst sie bald auch nicht mehr. Doch die Therapie in der Kältekammer muss sie nach 3 statt 10 Anwendungen abbrechen.
Denn sie bekommt dadurch starke Schmerzen in den Ellbogen und im rechten Knie. Es stellt sich heraus, sie hat nicht nur Rheuma, sondern auch schon leichte Arthrose, Verschleiß. Die Natur-Docs stellen ihren Therapieplan um.
Weg von der Kälte hin zur Anwendung direkt an den Gelenken. Sie verordnen medizinische Massagen, Blutegel und Akupunktur. Nadeln gegen die heftigen Gelenkschmerzen, v.a. im rechten Knie und in den Daumensattelgelenken. Die Akupunktur soll den Energiestrom im Körper wiederbeleben, der durch die Arthrose behindert wird. Eine Methode, deren Wirksamkeit bewiesen ist. Die Blutegel.
Sie spucken beim Vollsaugen entzündungshemmende Proteine aus. Durch den Blutverlust wird außerdem der Lymphfluss im Knie angeregt und das Immunsystem insgesamt gestärkt. Und die Fuß-Reflex-Zonen-Massage.
Ihre Wirkung basiert auf der Vorstellung, dass die Füße über Nervenbahnen mit allen Organen verknüpft sind. Bei Katja Zügern soll der Darm stimuliert, dass Gewebe insgesamt besser durchblutet werden. Tatsächlich spürt sie, dass sich in ihrem Körper etwas tut.
Katja Zügern: Das hätte ich nicht gedacht, dass das so viel Auswirkungen hat. Ich habe das Gefühl, dass ich im Moment fast beschwerdefrei bin. Die Gelenke sind alle gut durchknetbar oder dehnbar.
Ich weiß nicht, wie ich das formulieren soll. Es ist insgesamt ein ganz tolles Wohlbefinden im Moment.
Sprecherin: Und das Fasten? 9 Tage lang hat sie durchgehalten. Zum 1. richtigen Frühstück gibt es heute einen Apfel. Die Belohnung? Schon nach 2 Wochen in der Klinik braucht sie von dem Rheuma-Medikament mit den starken Nebenwirkungen eine geringere Dosis.
Katja Zügern: Das muss man abwarten, ob das funktioniert oder nicht. Das wird sich in den nächsten 4-12 Wochen zeigen.
Sprecherin: Denn die eigentliche Bewährungsprobe für Katja Zügern wartet zu Hause. Erst da wird sich zeigen, ob sie die Umstellung auch wirklich durchhält. Neustadt in Holstein, 10 Wochen später.
Katja Zügerns neues morgendliches Ritual. Sie mixt sich eine goldene Milch mit Kurkuma, Ingwer und Gewürzen. Ein anti-entzündlicher Supershake.
Auch wenn es ihr nicht immer leicht fällt. Sie versucht, das ganze Therapie-Paket der Natur-Docs umzusetzen.
Katja Zügern: Ich merke schon, dass das deutlich zeitaufwendiger ist. Alleine das Herstellen dieser Milch mit den frischen Zutaten morgens. Das ist halt doch aufwendiger, als sich schnell eine Scheibe Brot zu schmieren.
Sprecherin: Aber bringt alles zusammen auch etwas gegen ihre Schmerzen? Und wie sieht es jetzt aus mit der Dosis der Rheuma-Tabletten? Das will Katja Zügern noch mal mit Natur-Doc Andreas Michalsen besprechen.
Per Skype.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wie geht es Ihnen?
Katja Zügern: Mir geht es richtig super. Kann ich nicht anders sagen. Richtig gut?
Ja, richtig gut. Wir haben die Medikation reduziert auf 3 mg. Ich habe keinerlei Beschwerden.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das finde ich jetzt wirklich sehr ... Ich freue mich und habe das natürlich auch gehofft und erwartet. Aber ein bisschen überrascht bin ich jetzt doch auch, dass es so gut geworden ist.
Das ist natürlich sehr schön. D.h., Sie haben es auch geschafft, mit der Ernährung, mit den Dingen dran zu bleiben?
Katja Zügern: Ich mache ganz viel. Ich sehe zu, dass ich mindestens einmal die Woche Yoga mache. Wenn ich es schaffe, sogar 2-mal vormittags.
Für meinen Darm mache ich was. Dann lasse ich den Zucker so gut wie weg. Das sind ganz viele Kleinigkeiten, die sich aber summieren im Endeffekt.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Rheumatologisch ist es sehr gut, es ist stabil. Da fällt mir jetzt fast gar nichts mehr ein, was ich jetzt noch an neuen Empfehlungen durchgeben soll. Da würde ich fast nur sagen wollen, machen Sie weiter so.
Sprecherin: Genau das ist ihr Plan. Denn es klingt fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein. Aber Katja Zügern hat es geschafft.
Sie ist raus aus dem Teufelskreis von Schmerzen, Medikamenten und Nebenwirkungen.
Katja Zügern: So lange schmerzfreie Phasen, wie ich das jetzt habe, das habe ich jahrelang nicht mehr gehabt. Das ist mir Motivation genug.