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Fibromyalgie: Was Symptome sind und wie Schmerzen sanft behandelt werden | Natur-Docs

Schmerzen überall im Körper, Erschöpfung, Verdauungsprobleme - wer an Fibromyalgie leidet, muss einiges an schmerzhaften Symptomen aushalten. Zudem wird die Diagnose oft spät gefunden. Die Naturheilkunde kann die Beschwerden lindern. Die Natur-Docs wollen einer Betroffenen mit natürlichen Mitteln und Ernährung helfen, ihre Beschwerden zu lindern.

Sprecherin: Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.

Davon sind diese Ärzte und Therapeuten überzeugt. Sie scheint in sich zu ruhen, wirkt gelassen. Dabei wird das Leben von Nina Wolkersdorfer bestimmt von Schmerzen und Erschöpfung.

Und das bereits seit ihrem 14. Lebensjahr.

Nina Wolkersdorfer: Ich habe das schon lange nicht mehr, dass ich sagen könnte, ich bin schmerzfrei. Ich weiß eigentlich gar nicht, wie sich das anfühlt.

Sprecherin: Dabei versucht sie mit viel Bewegung wie mit täglichen Yoga-Einheiten dagegen anzuarbeiten. Doch immer wieder wird sie von heftigen Schmerzschüben heimgesucht.

Nina Wolkersdorfer: Mein Name ist Nina Wolkersdorfer. Ich bin 43 Jahre alt und habe Fibromyalgie.

Sprecherin: Fibromyalgie, das bedeutet übersetzt Fasermuskelschmerz. Und genauso fühlt es sich bei Nina Wolkersdorfer auch an. Jede Faser ihres Körpers, jeder Muskel tut ihr weh.

Nina Wolkersdorfer: Besonders im Gesicht, dann sieht das in den Nacken, von da aus strahlt das aus. Die Schultern, das Stehen zum Beispiel, ist etwas, was sehr schnell sehr schmerzhaft wird.

Sprecherin: Ein Körper im ständigen Alarmzustand. Jetzt hofft sie auf die Hilfe der Natur-Docs. Die Ärzte und Therapeuten des Immanuel-Krankenhauses in Berlin-Wannsee behandeln mit Methoden der Naturheilkunde.

Kein Hokus-Pokus, sondern vielfach erprobt und wissenschaftlich begleitet. Natur-Doc und Chefarzt Andreas Michalsen weiß um die spezielle Problematik dieser Erkrankung. Denn es gibt zwar viele Symptome bei der Fibromyalgie, aber wenig handfeste Beweise, weder im Blut noch durch Röntgenaufnahmen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wenn Sie noch mal in sich hineinhorchen und Ihre Geschichte Revue passieren lassen, was denken Sie denn, was die Ursache Ihrer Erkrankung ist?

Nina Wolkersdorfer: Ich glaube im Ganzen, dass mein Nervensystem früh auf Stress geeicht worden ist. Ich hatte vor der Schule noch ein paar Krankenhausaufenthalte. Da hat mein Nervensystem gelernt, Stress zu produzieren und auch Schmerz aufrechtzuerhalten.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das passt auch zu der Theorie beim Fibromyalgiesyndrom. Das wissen Sie auch, es ist nicht alles geklärt. Man weiß nur, dass es eine Überaktivierung des Schmerzsystems ist.

Wie bei so einer Plasmakugel. Wenn dann ein Stress kommt, ein Auslöser kommt, dann kommen die Blitze.

Nina Wolkersdorfer: Ja, und es ist wie bei jemand normalen, würde das hier keinen Schmerz auslösen. Bei mir aber schon. Fliegt eine Fliege hier einfach nur vorbei, löst das in meinem System Schmerz aus und bei jemand anderem nicht.

Das ist wie die Alarmanlage, die immer an ist.

Sprecherin: Es geht also bei der Fibromyalgie um eine Störung in der Schmerzverarbeitung. Eigentlich werden im Rückenmark unbedeutende Reize herausgefiltert, sodass nur die mit wirklicher Wahnfunktion im Gehirn ankommen. Bei der Fibromyalgie scheint dieser Filter nicht mehr zu funktionieren.

Ausnahmslos alle Reize strömen ins Gehirn. Betroffene nehmen auch einfache Signale als Schmerzen wahr.

Ottersberg bei Bremen. Nina Wolkersdorfer lebt hier mit ihren beiden Töchtern, ihrem Mann und 2 Hunden. Im Alltag triggert jede Form von Stress die Fibromyalgie. Autofahren, Einkaufen, aber besonders auch Kälte, Hunger und zu wenig Schlaf.

Es gibt Tage, da schafft sie es kaum aus dem Bett. Das ist nicht nur für Nina Wolkersdorfer schwer. Auch ihren Mann Klaus bedrückt das sehr.

Klaus Wolkersdorfer: Tun kann ich ziemlich wenig. Ich würde ihr gerne helfen. Das kann ich nicht. Das ist eine Art Ohnmachtsgefühl. Mich macht es manchmal auch traurig, weil ich merke, diese Qualität von Schmerzen, da habe ich selber keine Erfahrung zu.

Sprecherin: Viele Therapien hat die 43-Jährige schon ausprobiert. Akupunktur, Physio- und Psychotherapie, verschiedene Schmerztabletten. Doch langfristig hat nichts geholfen.

Eine Herausforderung für die Natur-Docs.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Die Situation bei Frau Wolkersdorfer ist anspruchsvoll, weil sie viel gemacht hat. Seit dem 14. Lebensjahr hat sie diese Beschwerden.

Da muss man als Arzt nicht denken, dass man mit einer Empfehlung weit kommt. Da ist mehr Detailarbeit erforderlich.

Sprecherin: Über die Andreas Michalsen mit seinen Kollegen diskutieren will. Welche Therapien könnten noch etwas bewirken? Das Team aus Ärzten, Psychologin und Physiotherapeut entwirft einen Plan.

Christel von Scheidt: Wo sind Ihre Überforderungstendenzen? Wenn Sie so schnell, selbst bei kleinen Stressoren, ausschlägt, das spricht für mich für einen sehr hohen Ausgangslevel. Da könnte ich mir gut vorstellen, mit ihr psychoedukativ zu arbeiten.

Frank Ruppenthal: Vielleicht können wir ein Bewegungsbad mit ihr erzielen. Wir haben die von außen wirkende Kompression des warmen, gut temperierten Wassers. Sie könnte relativ schwerelos sich bewegen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Ich denke, dass wir auf jeden Fall sie mit Wärme behandeln sollten. Meine Vorstellung war, dass wir von der Ernährung, das wäre das Stichwort Ayurveda-Medizin, ob wir da die innere Wärme fördern könnten.

PD Dr. Christian Kessler: Das halte ich für sehr sinnvoll. Das bedeutet regelmäßige Mahlzeiten. Hauptmahlzeit mittags, morgens und abends eher wenig.

Tendenziell so viel und so oft warm wie möglich.

Sprecherin: Die Natur-Docs haben ein Konzept für Nina Wolkersdorfer. Die Therapien beginnen. Ob Atemübungen, leichte Gymnastik im Wasser oder anti-entzündliches Heilfasten.

Die Natur-Docs wollen in 10 Tagen versuchen, ihr überaktives Schmerzgefühl herunterzuregulieren. Es geht los mit einer speziellen, sehr tiefen Wärmeanwendung. Nina Wolkersdorfer liegt dabei auf einer Liege aus Infrarotlampen.

Das Besondere, diese Lampen sind wassergefiltert, was nicht nur äußerlich die Haut, sondern den ganzen Körper in der Tiefe aufwärmen soll. Mit einer Temperatur von bis zu 42°.

Physiotherapeut: Brauchen Sie einen kalten Lappen für die Stirn? Ist es angenehm?

Nina Wolkersdorfer: Ja, können wir mal ausprobieren.

Physiotherapeut: Ruhig die Augen zulassen, bitte, nicht erschrecken. Angenehm jetzt?

Nina Wolkersdorfer: Ja.

Physiotherapeut: 10 Minütchen, und wenn was ist, melden Sie sich.

Nina Wolkersdorfer: Vielen Dank. Es gab einen Punkt, da war es mir zu heiß. Da habe ich es nicht so richtig gesagt.

Dann hatte ich Kopfschmerzen. Was toll war danach, war das Gefühl, nach einem langen Sommertag Wärme abzustrahlen. Die ging wirklich tief rein.

Sprecherin: Wasser als wärmende und schützende Hülle. Das soll Nina Wolkersdorfer im Schwimmbad erleben. Täglich 20 min stehen auf ihrem Therapieplan.

Der starke Auftrieb des Wassers erleichtert dabei jede Form von Bewegung. Denn Muskeln, Sehnen und Knochen müssen nur ein Zehntel des Körpergewichts tragen. Die Gelenke werden entlastet.

Wenn alles wehtut, ist das eine gute Möglichkeit, sich mal schmerzfrei zu bewegen. In der Naturheilkunde ist das Fasten mit Brühe und Saft Teil der Schmerztherapie. Nina Wolkersdorfer fühlt sich bei Hunger zwar schnell gestresst, aber die Natur-Docs wollen damit ihren Körper sozusagen aus der Reserve locken, den Reset-Knopf drücken.

Sie hofft, dass ein veränderter Stoffwechsel irgendwie ihre Schmerzen beeinflusst. Sie schafft 7 Tage. Und obwohl ihr das Fasten schwerfällt, bemerkt sie einen positiven Effekt.

Ihr ständiges Hungergefühl verschwindet. Es geht weiter mit der progressiven Muskelentspannung, kurz PME, bei Psychologin Christel von Scheidt. Übungen, die man jederzeit auch in den Alltag einbauen kann.

Nina Wolkersdorfer soll dabei einzelne Muskeln bewusst leicht anspannen, um sie dann ebenso bewusst zu lockern.

Christel von Scheidt: Und baust hier auch jetzt die Spannung auf, indem du die Hand zur Faust schließt, den Ellbogen beugst, den Ellbogen sanft gegen den Rippenbogen drückst, die Spannung ein wenig hältst, den Atem fließen lässt.

Sprecherin: Der durch Stress und Schmerzen bedingte Anspannungspegel wird durch diese Methode gesenkt, Körper und Geist fahren herunter. Verantwortlich dafür sind Sympathikus und Parasympathikus, die Gegenspieler im autonomen Nervensystem. Der Sympathikus verläuft am Rückenmark und ist aktiv, wenn wir Stress haben oder viel leisten müssen.

Dann schüttet der Körper Stresshormone aus, das Herz pumpt schneller, der Blutdruck steigt. Der Parasympathikus macht genau das Gegenteil. Ist er am Zug, können wir uns entspannen, regenerieren.

Denn er gibt dem Körper das Signal, zur Ruhe zu kommen. Der Herzschlag wird langsamer. Mit der PME kann man in Stressphasen den Parasympathikus bewusst aktivieren und so sich selbst beruhigen.

Massagen mit einer Naturbürste ohne Öl. Diese sollen verklebtes Bindegewebe bei Nina Wolkersdorfer lösen, durch Blutung und Lymphfluss anregen. Therapeutin Ingrid zeigt ihr, wie das geht.

Physiotherapeutin Ingrid: Wie bei den Beinen fängt man herzfern an mit den Handflächen. Ruhig 20-mal kreisebürsten.

Sprecherin: Das kann die 43-Jährige auch jederzeit zu Hause machen. Allerdings muss sie sich erst mal an das schrubblige Gefühl gewöhnen.

Ein besonders wichtiger Punkt auf dem Therapieplan der Natur-Docs, die ayurvedische Ernährung. Das Spezialgebiet von Internist Christian Kessler. In Sachen Essen hat Nina Wolkersdorfer schon viel ausprobiert.

Vielleicht zu viel.

PD Dr. Christian Kessler: Wenn wir permanent unsere Ernährungsweise ändern, muss unser Körper permanent Adaptionsleistung erbringen. Das ist anstrengend und zieht uns Energie ab.

Sprecherin: Die Folge noch mehr Erschöpfung, noch mehr Schmerzen. Der Natur-Doc rät ihr zu weniger Snacks, dafür zu 3 festen, warmen Mahlzeiten am Tag. 30 Jahre Schmerzen, 10 Tage Behandlung bei den Natur-Docs, die jetzt zu Ende sind.

Wie geht es Nina Wolkersdorfer?

Nina Wolkersdorfer: Im Ganzen würde ich sagen, besser, etwas erholter. Zumindest bin ich in einem Status angekommen, wo ich merken kann, wie erschöpft ich war. Aber ich bin nicht euphorisch erleichtert.

Vor allem habe ich Ideen mitgenommen. Wie kann ich mit diesem Schmerz umgehen?

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Dass wir sie nicht vom Schmerz befreien können, das war uns klar. Aber insofern freut es mich, dass Sie sagen, Sie haben ein paar Punkte, die nehmen Sie mit. Das klingt nach wenig, aber es ist gar nicht so wenig.

Es ist ein Geduldsspiel.

Sprecherin: Wird sie diese Geduld aufbringen? Was aus der Klinik kann sie auch zu Hause umsetzen? In Ottersberg bei Bremen.

Warm essen, auch schon zum Frühstück. Das gehört zum neuen Leben von Nina Wolkersdorfer. Morgens um 8 Uhr gibt es jetzt einen Chia-Pudding mit Pflanzenmilch und warmen Heidelbeeren.

Ohne Zucker, nur abgeschmeckt mit Limette und Vanille.

Nina Wolkersdorfer: Es ist etwas mehr Ruhe reingekommen. Ich habe das Gefühl, ich kann es leichter verdauen. Es gibt mir mehr Energie, es nimmt mir nicht Energie.

Sprecherin: Und mehr Energie war ja ein Ziel der Natur-Docs. Dazu massiert sie sich täglich mit der Trockenbürste. Zu ihrer eigenen Überraschung.

Nina Wolkersdorfer: In der Klinik dachte ich, das ist das Allerletzte, was ich weitermachen werde. Aber das Bindegewebe ist ein Thema für mich. Ich habe gedacht, irgendwas zu tun, den Stoffwechsel anzuregen.

Warum nicht? Dann habe ich das gemacht und gemerkt, wenn ich das in Ruhe mache, wie ich das gerne möchte, dann ist das auch angenehm.

Sprecherin: 3 Monate nach dem Klinikaufenthalt in Berlin ist sie heute mit Andreas Michalsen zum Abschlussgespräch per Skype verabredet.

Prof. Dr. Andreas Michalsen:  Hallo Frau Wolkersdorfer.

Nina Wolkersdorfer: Hallo Herr Michalsen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wie geht es Ihnen jetzt?

Nina Wolkersdorfer: Ich habe den Eindruck, kleinschrittig Besserungen erlangen zu können. Wenn das nicht etwas ist, was sich linear entwickelt, ist es doch so, dass ich bessere Tage habe. Das ist für mich das Ziel, weil die Konifizierung so aufzubrechen, dass auch wieder Besserung auftauchen kann.

Ich bin, wie ich mich ernähre, viel satter, mit den Mahlzeiten zufrieden. Das gibt mir ein anderes Energieniveau.

Sprecherin: Aber es ist nicht nur die Ernährung allein. Auch beim Thema Wärme hat sie in Berlin einiges gelernt.

Nina Wolkersdorfer: Das warme Wasser war für mich auch in der Klinik besonders angenehm. Das versuche ich 2-mal in der Woche hier auch zu machen. Fußbäder, wenn es so kommt, dass es mir zu kalt ist.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das freut mich. Wenn Sie das umsetzen konnten, haben Sie für sich Dinge gefunden, weiterentwickelt. Wenn Sie das jetzt so mit Geduld weitermachen, glaube ich schon, dass die Schmerzen noch deutlich besser werden.

Sprecherin: Nina Wolkersdorfer hat ihren Teufelskreis durchbrochen. Sie hat bei den Natur-Docs gelernt, sie kann selbst noch etwas tun, damit Schmerzen und Erschöpfung zumindest nicht mehr komplett ihr Leben bestimmen.

Nina Wolkersdorfer: Manchmal ist es so wichtig, so feine Stellschrauben zu finden. Gar nicht so riesengroß und bam, bam, jetzt hier die neue Methode. Sondern hier die Feinjustierung, da macht dann der Ton die Musik.

Das habe ich an manchen Stellen den Eindruck, dass diese Rechnung für mich aufgeht.

Sprecherin: Es sind nur kleine Stellen, aber sie haben eine große Wirkung. Mit sanften Therapien viel erreichen, das ist das Ziel der Natur-Docs.

Krankheitsbild Fibromyalgie