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Psoriasis-Arthritis natürlich behandeln: Kälte, Kleiebäder und Atemtherapie | Natur-Docs

Prof. Andreas Michalsen und sein Team entwickeln für Patientin mit unter Psoriasis-Arthritis ein Programm aus Kältekammer, Heilfasten und ayurvedischer Ernährungsberatung - dazu Kleiebäder, Akupunktur und Atemtherapie. Kann der ganzheitliche Ansatz die Selbstheilungskräfte der 40-Jährigen aktivieren?

Sprecherin: Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.

Davon sind diese Ärzte und Therapeuten überzeugt. Die Natur-Docs. Sie arbeitet da, wo andere Urlaub machen.

Sabrina Lehnhardt ist Standesbeamtin, traut Paare im Leuchtturm von Maasholm in Schleswig-Holstein. Die 40-Jährige liebt ihren Beruf. Aber oft muss die Mutter von zwei Söhnen sich zusammenreißen.

Sabrina Lehnhardt: Manchmal möchte man an Tagen nur in sein Schneckenhäuschen. Aber es geht nicht. Man hat seinen Alltag, den Beruf, man hat die Familie, das Haus.

Sprecherin: Immer weitermachen, immer funktionieren. Und das trotz quälender Gelenkschmerzen.

Sabrina Lehnhardt: Ich bin Sabrina Lehnhardt, bin 40 Jahre alt und habe Rheuma.

Sprecherin: Und zwar ein spezielles Rheuma, Schuppenflechte-Rheuma oder Psoriasis Arthritis, wie es in der Medizin heißt. Das bedeutet, nicht nur ihre Gelenke wie Knie, Sprunggelenk und Schulter sind betroffen, sondern auch die Haut. Alles brennt, wie sie sagt.

Sabrina Lehnhardt: Das fühlt sich wie eine Feuerstelle an, die man im Körper hat. Wie ein Lodern, ein fieser, unangenehmer Schmerz in den Gelenken. Mir ist es auch unangenehm, wenn Hautunreinheiten da sind.

Ich gehe nie ungeschminkt oder dass alles abgedeckt wird aus dem Haus.

Sprecherin: Was ist da los in ihrem Körper? Sabrina Lehnhardt hofft auf die Hilfe der Natur-Docs. Chronische Entzündungen, das ist ein Hauptgebiet der Ärzte und Therapeuten am Immanuel Krankenhaus in Berlin-Wannsee.

Sie setzen auf wissenschaftlich begleitete Verfahren der Naturheilkunde. Chefarzt Andreas Michalsen will sich selbst ein Bild machen. Wie doll lodert das Feuer bei Sabrina Lehnhardt?

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Hier sind so schöne kleine Flämmchen auf einer vorgestellten Skala von 0 bis 10. 0 heißt gar kein Schmerz und 10 heißt, man hält es wirklich nicht mehr aus. Wo muss ich mir das Schmerz vorstellen?

Sabrina Lehnhardt: Tatsächlich lodern, das beschreiben die kleinen Flämmchen gut. Dann tut es meistens nachts. Nachts ist es meistens so.

Dann würde ich sagen, bei 6, 7 würde ich das einordnen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: 6 bis 7 ist ja schon viel.

Sprecherin: Psoriasis, Arthritis oder Schuppenflechterheuma entsteht, weil das Immunsystem plötzlich, quasi aus dem Nichts, nicht mehr richtig arbeitet. Eigentlich hat es die Aufgabe, den Körper vor Krankheiten zu schützen. Doch bei solchen Autoimmunerkrankungen greifen Zellen des Immunsystems eigenes Körpergewebe an.

So wandern bei einer Psoriasis fehlgesteuerte Immunzellen in die Haut und produzieren dort entzündungsfördernde Stoffe. Die Haut verändert sich meist deutlich, es bildet sich eine Schuppenflechte. Dazu kommt die Rheumakomponente, die Gelenke entzünden sich.

Eine schmerzhafte Kombination.

Sabrina Lehnhardt: Das Einzige, was mir einfällt ...

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Könnten Sie mir die Zunge rausstrecken? Ja. Da sieht man Zahneindrücke an der Seite.

Der Zungenkörper ist geschwollen, das hat man oft bei Entzündungen. Noch mal ganz interessant für Sie. Man geht heute auch davon aus, dass ein großer Teil der rheumatischen Entzündungen seinen Ursprung im Darm hat.

Dass das mit den Darmbakterien zusammenhängt, die Stoffwechselprodukte produzieren, die sie nicht sollen. Die rufen eine Entzündung im Körper mit hervor. Deswegen habe ich mir die Zunge angeschaut.

Sprecherin: Maasholm an der Schlei, hier lebt Sabrina Lehnhardt. Die Schmerzen zwingen sie oft zu unfreiwilligen Pausen. Dazu kommt, die 40-Jährige verträgt die modernen Medikamente nicht, die das Rheuma gut in Schach halten könnten.

Doch diese Mittel knocken sie komplett aus.

Sabrina Lehnhardt: Das war für mich, als wenn gar nichts ging. Kaputt, müde, schlapp, antriebslos. Dann hatte ich das Gefühl, ich kann mich nicht um das kümmern, wozu ich als Hausfrau und Mutter da sein kann soll.

Ich hab dann für mich noch andere Wege gesucht.

Sprecherin: Sie stellt ihre Ernährung um. Mehr Gemüse, weniger Fleisch, ein bisschen weniger Zucker. Auch Akupunktur an Knie und Sprunggelenk helfen ihr damals.

So sehr, dass sie sogar mit ihrer Freundin Petra ab und zu an der Schlei walken kann. Die Gelenkschmerzen sind zu ertragen, und auch ihre Haut fühlt sich okay an. Doch dann erwischt sie letztes Jahr Corona.

Sabrina Lehnhardt: Die Gelenke fingen an, wieder zu lodern, zu schmerzen. Gerade nachts bin ich wach geworden. Mit der Haut ist es auch schlechter geworden.

Sprecherin: Das Coronavirus hat ihre Entzündung offenbar neu entflammt. Wie kann man die jetzt dauerhaft bekämpfen? Andreas Michalsen hat bereits ein paar Ideen im Kopf.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wie ist es mit Kälte und Wärme? Sind Sie jemand, der schnell friert? Oder jemand, der noch ein T-Shirt rumrennt, wenn die anderen die Windjacken anhaben?

Sabrina Lehnhardt: Nein, ich bin eher kälteempfindlich.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wir haben ja hier eine Kältekammer.

Sabrina Lehnhardt: Ja.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das ist die große Frage, ob das zu viel für Sie ist.

Sabrina Lehnhardt: Ich hab mich da schon belesen und würde es gerne ausprobieren.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Probieren Sie es mal aus und geben dann aber rasch Rückmeldung.

Sabrina Lehnhardt: Okay.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Aber es kann sein, auch wenn Sie Kälte sonst nicht so abkönnen, dass das ein sehr wohltuender Reiz für Sie ist. Eine Sache noch.

Sabrina Lehnhardt: Ja.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Was ist Ihr Ziel?

Sabrina Lehnhardt: Meine Hoffnung ist, dass ich wieder einigermaßen fit nach Hause kommen kann, in den Alltag starten kann. Beschwerdefrei, schmerzfrei. Und in der Hoffnung auch, dass ich ohne Medikamente vielleicht weiterhin auskomme.

Ich finde, dafür bin ich einfach noch zu jung.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Absolut. Alles zusammen ist sehr sportlich, schmerzfrei, beschwerdefrei.

Sabrina Lehnhardt: Ich hab alles geäußert.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das kann ich Ihnen nicht so gleich versprechen. Aber wir geben uns Mühe.

Sprecherin:  Wir, das meint das Team der Natur-Docs. Ärzte und Physiotherapeut wollen in den ersten Tagen herausfinden, welche naturheilkundlichen Methoden überhaupt bei ihr anschlagen, den Schmerz beeinflussen. Auf ihrem 12-tägigen Therapieprogramm stehen Kältekammer, Heilfasten und ayurvedische Ernährungsberatung, Kleiebäder, Akupunktur und eine besondere Form der Atemtherapie.

Der erste Tag startet kalt, sehr kalt für Sabrina Lenhardt. Es geht für drei Minuten in die Kältekammer, bei minus 110 Grad. Die extreme Kälte soll die Durchblutung in ihrem Körper mal so richtig anheizen.

Frank Ruppenthal: Bei der Ganzkörper-Kältetherapie haben wir die Möglichkeit, die Gelenkentzündung einzudämmen, die Parameter herunterzudrücken. Und die Haut ebenfalls die Entzündlichkeit herunterzudrücken. Da gibt's nur eine Einschränkung.

Bei den ersten Anwendungen kann es sein, dass die Hautreaktion stärker wird.

Sprecherin: Ob Sabrina Lenhardt die extreme Kälte aushält, obwohl sie da sehr empfindlich ist?

Physiotherapeut: Noch 20 Sekunden. Kommen Sie bitte raus.

Wunderbar, drei Minuten geschafft. Prima. Wie geht's Ihnen?

Sabrina Lehnhardt: Mir geht's gut. Alles gut?

Ja, alles wunderbar.

Physiotherapeut: Sehr schön.

Sabrina Lehnhardt: Ich hab Oh Happy Day gesungen die ganze Zeit. Da muss man die Zähne zusammenbeißen und sich ablenken und nicht so daran denken. Aber wenn man das durchzieht, kann man nur froh sein.

Das ist ein tolles Gefühl, tolles Erlebnis.

Sprecherin: Oh Happy Day. Bisher ist das ein fröhlicher Tag für Sabrina Lenhardt. Nach dem Aufwärmen gibt es das erste Fastenmittagessen, bestehend aus Eiernüssen.

Und in einem Glas Gemüsesaft. Immerhin bekommt sie was in den Magen, 200 Kalorien täglich. Bei einem Nullfasten bestünde die Gefahr, dass sich Muskeln abbauen.

Studien haben gezeigt, Heilfasten wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd. Und das sogar ziemlich schnell. Das Fasten soll ihr helfen, noch ein bisschen weiter an der Ernährungsschraube zu drehen.

Der Tipp der Natur-Docs, ayurvedische Ernährung. Auch wenn sie schon viel richtig macht, Sabrina Lenhardt soll noch mehr pflanzlich essen und Milchprodukte weglassen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Von der wissenschaftlichen Seite ist es schon so, je weniger tierische Fette sie zu sich nimmt, desto stärker ist die Entzündungshemmung. Genauso ist es mit tierischem Eiweiß und mit Zucker. Und je mehr buntes Gemüse, buntes Obst, Gewürze sie zu sich nimmt, desto besser.

Sprecherin: Wasser marsch. Am Nachmittag darf Sabrina Lenhardt in die Badewanne. Allerdings kein Schaumbad, sondern ein Bad mit Weizenkleie, vorbereitet von Ingrid Pampuch.

Ingrid Pampuch: Diese Flächen auf den Körper schöpfen zu sich hin, dass sie gleichmäßig verteilt sind.

Frank Ruppenthal: Über diese Badezusätze gibt es Studien, die sind über die Kneippforschung sehr gut hinterlegt. Weizenkleie beruhigt die Haut stark. Es sind diese wässrigen Essenzen im Weizen, die eine Hautentzündung zurückbringen.

Und vor allem auch diese schleimigen Anteile, die sich über die Hautschuppen legen und das Ganze beruhigen.

Sprecherin: Sabrina Lenhardt genießt das 37 Grad warme Wasser trotz der etwas schleimigen Kleie. Danach soll sie die Haut nur leicht abtupfen. Bei den Untersuchungen in der Klinik hat sich herausgestellt, ihre Knieschmerzen und Hautprobleme kommen zurzeit nicht hauptsächlich vom Schuppenflechterheuma.

Im Gesicht stellen die Natur-Docs eine Akne fest. In den Röntgenbildern des rechten Knies finden sie Knochenanbauten, ein Hinweis auf eine Arthrose. Doch auch dagegen wirkt die Naturmedizin.

Das Therapiepaket schlägt an.

Sabrina Lehnhardt: Der Schmerz hat sich verändert. Es ist nicht mehr so ein lodernder, pochender Schmerz. Sondern jetzt so eine Art Drücken.

Der andere Schmerz war deutlich anstrengender so. Das fühlt sich deutlich besser an.

Sprecherin: Ein Schwerpunkt, gerade bei Entzündungen, fehlt noch. Das Thema Stress. Deshalb steht neben Yoga die reflektorische Atemtherapie auf dem Plan.

Therapeut Rosario leitet sie an.

Therapeut Rosario: Bei der Einatmung kommen die Rippen eher nach oben.

Sprecherin: Spezielle Griffe in Verbindung mit ruhigen und tiefen Atemzügen. Das soll den wichtigsten Muskel der Atmung, das Zwerchfell, stärken. Gleichzeitig fährt das vegetative Nervensystem herunter.

Akupunktur gegen Gelenkschmerzen. Das wirkt bei Rheuma und Verschleiß. Sabrina Lehnhardt hat das schon mal geholfen.

Arzt Lutz Liese, ein Experte in der Medizin. Sie soll den gestörten Energiefluss bei ihr anregen und so die Beschwerden an Knie und Sprunggelenk mindern. Zwölf Tage Klinikaufenthalt, jeder Tag gespickt mit Therapien.

Zwischendurch ist Natur-Doc Andreas Michalsen neugierig, was sich bei Sabrina Lehnhardt schon getan hat.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Sie haben gesagt, die Schmerzen sind besser geworden. Was macht das?

Sabrina Lehnhardt: Der Schmerz hat sich verändert im Sprunggelenk. Es war ein ziehender, lodernder Schmerz, der sich wie ein leichter Druckschmerz anfühlt.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das finde ich gut. In der Veränderung heißt es, dass an der Nervenverarbeitung sich was tut. Das ist ein gutes Zeichen.

Stress haben Sie hoffentlich auch keinen.

Sabrina Lehnhardt: Nein, ich hab keinen Stress. Ich merke, dass diese Ruhe mir richtig guttut.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Sieht man Ihnen an, dass Sie entspannter sind.

Sabrina Lehnhardt: Danke.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das müssen wir weiter ausbauen. Prima. Wenn Sie nach Hause gehen, dass Sie da möglichst ein bisschen Nervenfett angebaut haben.

Dass Sie da mehr Ressourcen haben.

Sprecherin: Denn die größte Herausforderung auf sie wartet ja zu Hause. Zurück in Maasholm an der Schlei in Schleswig-Holstein. Sabrina Lehnhardt ist dran geblieben, hält sich an viele Tipps der Natur-Docs.

Wenn der Stress überhandnimmt, gönnt sie sich jetzt mal eine Yoga-Einheit zu Hause. Und auch der Yoga- und Meditationskurs, zu dem sie mindestens einmal die Woche geht, tut ihr richtig gut. Sehr diszipliniert ist sie bei ihrer pflanzenbasierten Ernährung.

Bei ihrem morgendlichen Müsli verzichtet sie auf tierische Eiweiße. Dafür gibt es Kokosjoghurt und ganz viele ayurvedische Gewürze wie Kurkuma und Safran. Ob das auch einen nachhaltigen Effekt auf ihre Gelenkschmerzen und ihre Haut hat?

Abschlussgespräch nach neun Monaten mit Natur-Doc Andreas Michalsen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Hallo, Frau Lehnhardt.

Sabrina Lehnhardt: Ja, hallo, Herr Michalsen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wir haben uns einige Zeit nicht gesehen. Wie geht's Ihnen?

Sabrina Lehnhardt: Im Großen und Ganzen geht's mir gut.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Ich hab mir das angeschaut. Eine Baustelle war das Kniegelenk rechts, das Sprunggelenk. Wie schaut's denn da jetzt aus mit Ihren Gelenken?

Sabrina Lehnhardt: Das ist richtig, richtig gut. Ich fühlte mich danach richtig wie einmal resettet. Ich hab gar keine Probleme in den Gelenken.

Auch die Haut ist total ausgeruht, zufrieden. Ich bin da total zufrieden.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Dann kriegt man eine ganze Ladung von Empfehlungen mit, was man alles tun soll von der Ernährung und Bewegung. Konnten Sie was umsetzen?

Sabrina Lehnhardt: Ja, ich hab eine ganze Menge mitgenommen. Nach wie vor setz ich da auch noch ganz viel um. Ich nehme mir immer mal wieder die Unterlagen und lese dann noch mal drinnen und erinnere mich an einiges zurück.

Prof. Dr. Andreas Michalsen: Ich finde, das sitzt alles in einer sehr guten Balance. Ich denke, dann kann's eigentlich so weitergehen.

Sprecherin: Auf jeden Fall. Sich öfter mal bewusst eine Auszeit nehmen, wie für einen Spaziergang mit Sohn Aaron. Das hat sie bei den Natur-Docs gelernt.

Je weniger Stress sie hat, desto weniger Entzündungen lodern in ihrem Körper.

Sabrina Lehnhardt: Meine Erwartungen waren gar nicht so groß eigentlich. Aber dieses Rundum-Paket mit Fasten und mit den ganzen Anwendungen und Beratungen ... Man konnte einfach so viel machen, so viel mitnehmen.

Da bin ich positiv überrascht worden und voller Energie nach Hause.

Sprecherin: Diesen positiven Energieschub spürt sie immer noch. Ein Dreivierteljahr nach ihrer intensiven Zeit bei den Natur-Docs.