CRPS – Morbus Sudeck
CRPS (Morbus Sudeck) ist ein komplexes Schmerzsyndrom, das nach Operationen oder Verletzungen entstehen kann. Bei Betroffenen führt es zu starken Nervenschmerzen, Kribbeln, Bewegungseinschränkungen und Schwellungen im Knie. Die Natur-Docs vom Immanuel Krankenhaus Berlin setzen auf ein Programm aus naturheilkundlichen und therapeutischen Verfahren wie Nadelreizmatte, Spiegeltherapie, Kältekammer, Akupunktur, Fasten und Yoga, um die Beschwerden zu lindern.
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CRPS am Knie: Wie Yoga, Akupressurmatten und Spiegeltherapie helfen
Vivian B. leidet unter einem seltenen Schmerzsyndrom, genannt CRPS (auch: Morbus Sudeck). Seit einer Knie-OP reagiert Vivians Nervensystem über, ihr Körper schüttet unkontrollierbar Substanzen aus, welche Knieschmerzen verursachen. Mit einem Programm aus Nadelreizmatte, Spiegeltherapie, Kältekammer, Akupunktur, Fasten und Yoga wollen die Natur-Docs die Beschwerden lindern.
Sprecherin:
Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.
Davon ist das Team von Ärzten und Therapeuten hier überzeugt. Die Natur-Docs. Sie fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst.
Denn nach einer Knie-Operation spielt ihr rechtes Bein nicht mehr mit. Es führt ein komisches Eingehen.
Vivian Burgert:
Ich habe immer das Gefühl, das ist gar nicht mein Bein und mein Körper, so wie ich da jetzt gehen kann. Also ich versuche einfach, so wenig zu gehen wie möglich. Und ich würde mir wünschen, dass ich wieder ganz normal gehen kann, dass das auch normal aussieht.
Sprecherin:
Eigentlich sei sie ein gelassener Mensch, sagt die 5-fache Mutter und Tierliebhaberin von sich selbst. Aber die spezielle Erkrankung hat ihr Leben vor einem Dreivierteljahr komplett auf den Kopf gestellt.
Vivian Burgert:
Ich heiße Vivian Burgert, bin 53 Jahre alt und habe CRPS.
Sprecherin:
CRPS, auch unter Morbus Sudeck bekannt, ist ein Schmerzsyndrom. Bei Vivian Burgert ist das rechte Knie betroffen, mit Schmerzen, Kribbeln, Zucken, weniger Beweglichkeit. Ein mehrtägiger Aufenthalt bei den Natur-Docs soll jetzt helfen.
Die Natur-Docs, das ist das Team aus Ärzten und Therapeuten der Immanuel Klinik in Berlin-Wannsee. Bei ihnen steht die Naturheilkunde an erster Stelle. Internist Andreas Michalsen will herausfinden, wie es um die Sensibilität an ihrem rechten Knie steht.
Prof. Andreas Michalsen:
Ich habe hier einen Pinsel mitgebracht, falls Sie sich wundern. Das ist Teil der neurologischen Untersuchung bei diesem Schmerzsyndrom. Okay.
Genau, das gucke ich mir jetzt mal kurz an. Okay. Ich mache es nur ganz kurz hier.
Ja, das ... Das ist unangenehm.
Vivian Burgert:
Das ist ein ganz komisches Gefühl.
Prof. Andreas Michalsen:
Tut das nur weh?
Vivian Burgert:
Das ist mehr wie so ein Kribbeln, Brennnessel-Gefühl.
Prof. Andreas Michalsen:
Dann noch mal Vergleich hier und hier. Das ist noch schlimmer. Okay.
Das ist das Typische für diesen Nervenschmerz. Das ist eben kein Wundschmerz oder ein Gewebeschmerz. Was Sie haben, ist halt ein nervaler Schmerz.
Sprecherin:
Diese Nervenschmerzen können nach einer OP oder durch einen Unfall entstehen. Der Heilungsprozess ist dabei gestört. Es kommt zu einer chronischen Entzündung.
Außerdem überreagiert der Sympathikus, ein Teil des autonomen Nervensystems. An der betroffenen Stelle schüttet der Körper unwillkürlich schmerzverursachende Substanzen aus. Das behindert den Blutfluss.
Es kommt zu Schwellungen. Rosengarten in Niedersachsen, das Zuhause von Vivian Burgert. Zehn Jahre lang hat sie sich mit Meniskus und Kreuzbandproblemen am rechten Knie herumgeschlagen.
Vor acht Monaten ringt sie sich zu einer Operation durch. Der Eingriff selbst verläuft ohne Komplikationen. Doch dann geht es los.
Vivian Burgert:
Nach der OP war es eigentlich direkt so, dass ich so tolle Zuckungen wie elektrische Ströme hatte in den Beinen und so tolle Schmerzen, dass ich da immer mehr und mehr Schmerzmittel brauchte.
Sprecherin:
Und zwar starke Mittel. Die Ärzte probieren mehrere Medikamente aus. Ein Opiat, Kortison, sogar eines gegen Epilepsie.
Aber alle bringen höchstens kurz Erleichterung, dafür starke Nebenwirkungen. Vivian Burgert fühlt sich dadurch wie betäubt. Und die eigentlichen Beschwerden werden nicht besser.
Vivian Burgert:
Wir haben ein Wohnmobil und fahren am Wochenende oft weg. Das hat oben so ein Bett und ich komme da nicht rein und raus, wenn das Bein gerade schlecht ist. Und erst recht nicht mitten in der Nacht.
Das ist schon richtig blöd, auch für meinen Mann und uns zusammen. Also ich bin schon ganz schön traurig, wenn ich jetzt denke, das könnte noch lange so bleiben.
Sprecherin:
Die Natur-Docs sollen das jetzt ändern. Aber einfach wird das nicht.
Prof. Andreas Michalsen:
Grundsätzlich ist ein CRPS zu behandeln schon eine hohe Kunst. Das ist jetzt nichts, wo man sich sicher sein kann, dass man einen schnellen Erfolg hat. Da haben Ärzte immer einen großen Respekt vor.
Sprecherin:
Doch das Team hat einen Plan. Dazu gehören u.a. Yoga, Fasten, Akupunktur, Kältekammer, Nadelreizmatte und Spiegeltherapie. Und damit geht es auch los.
Die Spiegeltherapie ist in drei Phasen unterteilt, die aufeinander aufbauen. Ergotherapeutin Anja Biebrach erklärt die erste Stufe.
Anja Biebrach:
Wichtig ist bei der Rechts-Links-Unterscheidung einfach nur, dass Sie mir sagen, rechter Fuß oder linker Fuß. Total egal, ob es stimmt oder nicht. Das ist auch nicht schlimm.
Das ist dem Kopf total egal. Rechts oder links? Links.
Sprecherin:
Nicht drüber nachdenken, einfach nur sagen. Die Körperwahrnehmung, in diesem Fall für die Füße, wird geschult. Etwas, was bei Vivian Burgert durch das CRPS gelitten hat.
Anja Biebrach:
Das löst das ganz viel am Kopf aus, weil viele Areale im Kopf anspringen.
Sprecherin:
Zwischendurch hat der Kopf mal Pause. Es geht in die Kältekammer. Drei Minuten bei minus 110 Grad.
Physiotherapeutin Viola Grenz-Liedtke ist die ganze Zeit dabei und passt auf.
Viola Grenz-Liedtke:
Wunderbar. Ruhiges Bewegen.
Sprecherin:
Die extreme Kälte wirkt entzündungshemmend.
Viola Grenz-Liedtke: Eine Minute ist rum.
Sprecherin:
Und sie ist ein Schock für den Organismus. Sie löst Stress aus. Aber dann kommt die Gegenreaktion. Alles wird besser durchblutet. Außerdem durchbricht die Kälte die Schmerzleitung der Nerven.
Viola Grenz-Liedtke: Gut, die Zeit ist um. Sie können rauskommen.
Sprecherin:
Schnell ins Warme.
Viola Grenz-Liedtke: Zügig austreten. Alles gut?
Vivian Burgert:
Ja, es krabbelt überall. Die letzten 30 Sekunden dachte ich auch, jetzt kann es auch mal vorbei sein.
Aber jetzt ist es ganz interessant.
Sprecherin:
Drei Minuten Kältekammer. Ab jetzt ein täglicher Programmpunkt während ihrer Zeit in der Klinik. Und dann geht es weiter.
Und zwar mit der Nagelreizmatte. Die über 6000 Akupressurspitzen wirken wie eine intensive Massage. Dafür muss sich Vivian Burgert mit so viel nackter Haut wie möglich drauflegen.
Langsam runterlassen. Dazu gehört ganz schön Überwindung. Denn natürlich tut das erst mal weh.
Und wie ist das vom Gefühl?
Vivian Burgert:
Pikst, aber es ist erträglich.
Anja Biebrach:
Damit die Lendenwirbelsäule richtig runterkommt, legen wir die Füße noch nach oben. Einmal die Füße Richtung Bauch ziehen. Nach 5 Minuten geht der böse Schmerz runter.
Danach sollte es sich gut anfühlen und ein bisschen durchblutet und warm werden. Merken Sie es?
Sprecherin:
Es tut sich sofort etwas. Das rechte Bein oder besser gesagt die Nerven reagieren auf den starken Reiz. Wie bei der Kältekammer provozieren die Natur-Docs auch hier erst mal bewusst Stress.
Prof. Andreas Michalsen:
Die Nagelreizmatte ist etwas sehr Besonderes. Wir haben da auch wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Das ist zum einen eine Art Ablenkungsmanöver.
Erst mal ist es ein Schmerzreiz. Das beschäftigt das Nervensystem. Deswegen tut es am Anfang auch weh.
Damit maskieren, damit überdecken wir die Nervenimpulse von anderen Stellen. Das wollen wir ja. Wir wollen, dass die Übersteuerung reduziert wird.
Die Übersteuerung, die in dem Bereich des Knies stattfindet.
Sprecherin:
Bei Vivian Burgert scheint das zu funktionieren. Auch ihr Rücken hat etwas davon. Da sieht man, wie schön durchblutet.
Richtig schön rot, richtig schön durchblutet. Zurück zur Spiegeltherapie. Die 1.
Phase hat Vivian Burgert ausreichend geübt.
Anja Biebrach:
Die 2. Phase, die ganz wichtige Phase, ist Imagination. D.h. Vorstellung von Bewegung. Wir fangen nicht an, mit dem Fuß oder dem Bein zu bewegen. Wir stellen uns das einfach nur vor. Alle 5 Krallen.
Sprecherin:
Und alle 5 ziehen Sie nach oben. Tatsächlich macht das auch etwas mit Ihren Beinen.
Vivian Burgert:
Dass meine Muskeln so tun, als würden sie mitmachen. Ich mache nichts mit dem Fuß, aber ich merke das.
Anja Biebrach:
Das ist aber auch die Wirkung, die passiert und die gewollt ist. Ist das ein Unterschied mit Augen auf und Augen zu? Ich kann es besser mit Augen zu.
Dann wiegen Sie Augen zu. Sie stampfen mal auf der Stelle. Schwierig, oder?
Da macht der ganze Körper mit.
Sprecherin:
Spiegeltherapie, Kältekammer und Nadelreizmatte scheinen anzuschlagen. Zum 1. Mal merkt sie eine deutliche Verbesserung.
Deshalb machen die Natur-Docs auf diesem Weg weiter. Mit Akupunktur. Die starken Reize der Nadeln sollen das außer Kontrolle geratene vegetative Nervensystem positiv beeinflussen, die Durchblutung anregen.
Heilfasten, in diesem Fall mit Reisschleim, wirkt auf den Parasympathikus, den Entspannungsnerv, weil der Körper weniger mit der Verdauung zu tun hat. Und mit Yoga. Hier geht es um den Einklang von Atmung und Bewegung.
Allerdings sind diese Übungen eine ziemliche Herausforderung für Vivian Burgert, weil sie ihr rechtes Bein trotz der Verbesserung noch nicht komplett ansteuern kann. Zurück zur Spiegeltherapie.
Anja Biebrach:
Okay, dann haben wir jetzt die 3. Phase der Spiegeltherapie, sprich jetzt endlich mal der Spiegel. Sie schauen bitte die ganze Zeit, während ich spreche und während Sie die Übungen machen, in den Spiegel.
Denn nur dann wird das Gehirn erfolgreich getäuscht. Jetzt krallen Sie mal alle 5 Zehen, richtig einkrallen. Und Sie lassen wieder locker.
Jetzt stampfen Sie mal auf der Stelle. So richtig schön aufstampfen.
Sprecherin:
Der Kopf denkt, beide Beine wären gesund. Wichtig, sie muss alle 3 Phasen täglich üben. Halbzeit in der Klinik, Zeit für ein Zwischenfazit.
Natur-Doc Andreas Michalsen ist gespannt, wie Vivian Burgert auf die Therapien reagiert.
Vivian Burgert:
Insgesamt habe ich ein super Gefühl. Eine ganz tolle Veränderung habe ich gestern entdeckt. Ich konnte die ganze Zeit nicht mit dem Fuß aufstampfen.
Im Winter den Schnee abstampfen, das ging alles nicht. Vor 3 Tagen habe ich das schon mal versucht, weil ich bei irgendeiner Übung dachte, ich sollte das machen. Gestern habe ich das noch mal versucht und ich konnte stampfen.
Ich war völlig erschüttert und musste mich erst mal hinsetzen, weil ich dachte, das gibt es doch nicht.
Prof. Andreas Michalsen:
Das hat gepasst.
Vivian Burgert:
Irgendwas ist da und ich habe heute das Gefühl, ich kann beim Laufen das Bein mehr kontrollieren.
Prof. Andreas Michalsen:
Im Prinzip ist das, was Sie sagen, genau das, was wir uns als Ziel gesetzt haben, dass es langsam in die richtige Richtung geht.
Sprecherin:
Die Richtung stimmt also schon mal. Aber die eigentliche Herausforderung, die wartet zu Hause auf sie. Und dort hat sie doch noch Yoga für sich entdeckt.
Trainer Vijay hatte in Berlin einen individuellen Plan zusammengestellt. Ob Cobra oder Brücke, die Übungen helfen Vivian Burga wieder beweglicher zu werden. Und ihr rechtes Bein macht immer besser mit.
Täglich geht es an den Spiegel, um dem Gehirn immer wieder vorzugaukeln, auch das rechte Bein wäre gesund. Und dann funktioniert das.
Vivian Burgert:
Man setzt sich an diesen Spiegel und guckt da rein und vertieft sich so ein bisschen und bewegt das gesunde Bein. Und man merkt, wie der Schmerz aus dem Körper verschwindet. Es ist wirklich faszinierend.
Sprecherin:
Nach 5 Monaten möchte Natur-Doc Andreas Michaelsen wissen, wie sich das CRPS bei ihr entwickelt hat. Er meldet sich per Video.
Prof. Andreas Michalsen:
Ich bin sehr gespannt. Es war eine nicht ganz einfache Geschichte. Wie geht es Ihnen?
Vivian Burgert:
Im Moment sehr gut. Aber es ist sehr wechselhaft. Es war, als ich aus der Klinik kam, sehr gut.
Viel besser als vorher. Dann wurde es wieder schlechter. Aber es ist immer so ein Auf und Ab.
Prof. Andreas Michalsen:
Jetzt müssen Sie mir aber verraten, was Sie zu Hause noch eigenaktiv übernommen haben. Benutzen Sie diese Nadelmatte noch?
Vivian Burgert:
Ich habe mir eine besorgt. Ich benutze sie auch, allerdings nicht so gerne. Ich muss immer meinen inneren Schweinehund überwinden.
Beim Drauflegen finde ich sie immer ganz schön garstig. Aber wenn man erst mal liegt, ist es in Ordnung. Ich glaube, zumindest meinem Rücken tut die sehr gut.
Sprecherin:
Das Beste ist, dass ich mich nicht mehr zu Hause überwinden muss. Die 53-Jährige muss keine der heftigen Medikamente mehr nehmen. Und dennoch ist ihre Schmerzstärke von damals 9 auf jetzt 3 gesunken.
Langsam werden die Gassi-Runden wieder länger. Dank der Natur-Docs ist Vivian Burgert also auf dem richtigen Weg. Sie hofft jetzt, dass noch ein Wunsch in Erfüllung geht.
Vivian Burgert:
Es wäre schon schön, wenn ich Richtung Sommer wieder komplett normal laufen und weit laufen könnte. Oder wieder auf dem Festival rumrennen kann. Was ja meine Lieblingssache im Sommer ist.