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Morbus Bechterew: Mit Fasten, Kurkuma und Physiotherapie Symptome lindern

Trotz ihres Morbus Bechterew ist es Irenes großes Ziel, mobil zu bleiben. Sie macht Yoga, Joggen und Pilates, um trotz ihrer Erkrankung mit Morbus Bechterew fit zu bleiben. Doch die Schmerzen, vor allem in der Hüfte, zwingen sie, immer stärkere Medikamente einzunehmen. Prof. Andreas Michalsen und das Team der Natur-Docs möchten ihr mit den Mitteln der Naturheilkunde helfen: Heilfasten, Physiotherapie, der  Schlingentisch und Barfußpfad stehen auf dem Programm. Wie geht es Irene nach der Behandlung?

Sprecherin:

Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.

Davon ist das Team von Ärzten und Therapeuten hier überzeugt. Die Natur-Docs. Sie versucht alles, um so mobil wie möglich zu bleiben.

Yoga, Joggen, Pilates. Aktivität statt Stillstand, das ist ihr Motto, wenn die Schmerzen mal wieder Überhand nehmen.

Irene Krause-Hensch:

Ich versuche, mich in Bewegung zu bringen, abzulenken. Ich merke, Bewegung tut mir gut in der Situation. Manchmal, wenn ich 2-3 Nächte nicht geschlafen habe, nehme ich eine Schmerzmedikation.

Sprecherin:

Seit wenigen Monaten macht ihr zusätzlich, die linke Hüfte zu schaffen. Auch da kommen die Schmerzen oft nachts. Mittlerweile zwingt die Erkrankung sie, immer stärkere Medikamente zu nehmen.

Irene Krause-Hensch:

Ich heiße Irene Krause-Hensch, bin 55 Jahre alt und habe ein Morbus Bechterew.

Sprecherin:

Eine chronisch entzündliche Rheuma-Erkrankung, mit der Irene Krause-Hensch schon seit über 30 Jahren lebt. Bei Morbus Bechterew versteift nach und nach die Wirbelsäule. Etwas, was sie täglich spürt und einschränkt.

Irene Krause-Hensch:

Das merke ich beim Laufen, beim Atmen, bei vielen alltäglichen Sachen. Z.B. beim Fahrradfahren merke ich das auch. Ich habe inzwischen einen Außenspiegel, weil ich mich manchmal nicht schnell genug drehen kann.

Sprecherin:

Irene Krause-Hensch hofft jetzt auf Hilfe und Unterstützung der Natur-Docs. Rheuma ist eine der chronischen Erkrankungen, die die Ärzte der Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus in Berlin-Wannsee behandeln. Chefarzt Andreas Michalisen weiß, man darf diese Krankheit nicht auf sich beruhen lassen, auch wenn Morbus Bechterew nicht heilbar ist.

Prof. Andreas Michalsen:

Wenn man das immer so lässt, dann haben Sie nicht nur die Beschwerden, sondern die ganze Sache wird verknöchert, wird steif. Hier ist ein schönes Beispiel, ein Duschschlauch. So möchte man ihn haben.

So kann man das schön variabel haben, wie man möchte. Sie kennen es vielleicht auch, wenn der älter wird, dann verkalkt das, dann wird das knorrig. Dann ist die Funktion nicht mehr so da.

Sprecherin:

Morbus Bechterew wird durch ein fehlerhaftes Immunsystem ausgelöst. Anstatt den Körper vor fremden Eindringlingen zu schützen, richtet das Immunsystem sich plötzlich gegen eigenes Gewebe. Die Folge, eine chronische Entzündung, die bei Morbus Bechterew häufig im Becken beginnt, sich dann über die Wirbelsäule ausbreitet.

Mit der Zeit verknöchern die Weichteile zwischen den Wirbelkörpern. Und auch die Gelenke können irgendwann davon betroffen sein. Gegen die daraus resultierenden Schmerzen helfen dann nur noch starke Medikamente.

Doch die Gefahr, vor der alle Ärzte, auch Andreas Michalsen, warnen, Organe wie Nieren und Leber können durch einen jahrelangen Gebrauch massiv geschädigt werden. Lage in Nordrhein-Westfalen. Hier wohnt Irene Krause-Hensch.

Um die chronische Entzündung in Schach zu halten, ist eigentlich ein spezielles Medikament, ein TNF-Alpha-Hemma, nötig. Doch sie fürchtet sich vor den starken Nebenwirkungen.

Irene Krause-Hensch:

Ich hatte vor vielen Jahren noch eine onkologische Erkrankung. Die war sehr prägend. Da war bei den Medikamenten wie dem TNF-Alpha-Hemma immer früher gesagt worden, die erste Nebenwirkung sind Tumorneubildungen.

Und davor hatte ich einfach Angst. Oder habe immer wieder Angst davor. Die Studien sollen angeblich so sein, dass es wohl nicht so ist.

Aber von meinem Bauchgefühl her, das kann ich irgendwie nicht abstellen.

Sprecherin:

Dabei ist die 55-Jährige alles andere als leidend und zurückgezogen. Trotz oder gerade wegen ihrer Krankheit, die ihr Leben nicht bestimmen soll. Und doch ist sie auch mal frustriert.

Irene Krause-Hensch:

Zwischendurch bin ich schon traurig. Weil ich dann denke, ich mache alles und es hilft trotzdem nicht. Dass ich dann denke, okay, das ist nicht gerade ganz so schön.

Sprecherin:

Leider wirkt auch das anti-entzündliche Medikament, das sie nur doch seit Kurzem ausprobiert, kaum. Ob die Natur-Docs ihr während des mehrtägigen Klinikaufenthalts in Berlin helfen können? Das Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflege diskutiert über ihren Therapieplan.

Prof. Andreas Michalsen:

Die Entzündung, unter der sie ja schon 30 Jahre leidet, die sollte möglichst auf Null gestellt werden. Dafür bekommt sie Medikamente. Die reichen aber anscheinend noch nicht ganz aus.

Die Entzündung im Körper ist noch nicht abgestellt. Das müssen wir erreichen, jetzt mit Unterstützung der Naturheilkunde, das ganze Programm.

Sprecherin:

Und das Programm umfasst Fasten, Gesprächstherapie, Ayurveda, Atemübungen, einen Barfußpfad und verschiedene physiotherapeutische Anwendungen. Es geht los mit einer Massage aus dem Ayurveda, der indischen Naturheilkunde. Therapeut Vijay macht dafür einen Teigkringel, der auf dem Rücken von Irene Krause-Hensch mit warmem Öl befüllt wird.

Der Name der Anwendung ist Katibasti. Sie hilft besonders bei chronischen Rückenschmerzen, wie sie beim Morbus Bechtrifft auftreten.

Vijay Vyas:

Alles gut? Ja. Ist es warm?

Nicht so heiß? Okay.

Sprecherin:

Durch das erhitzte Öl überträgt sich die Wärme noch intensiver auf den Körper. Das Gewebe lockert sich. Die Natur-Docs wollen damit die Bereiche des Körpers verbessern und stärken, die noch nicht verknöchert sind.

Auf dem Programm von Irene Krause-Hensch steht auch Heilfasten. Und zwar mit Saft. Gerade bei Rheuma eine sehr wichtige Therapie, denn sie wirkt anti-entzündlich.

Für sie gibt es 3-mal täglich ein Glas Gemüsesaft. Eine ziemliche Umstellung.

Irene Krause-Hensch:

Gestern Abend hatte ich mega Hunger. Ich habe versucht, mich abzulenken, meinen Mann zu telefonieren. Das war nicht so cool, weil er von seinem Abendbrot berichtet hat.

Aber dann ging es.

Sprecherin:

Was ihr zumindest morgens ein bisschen hilft, ist ein Becher Kaffee. Der ist hier in der Klinik neuerdings auch während des Fastens erlaubt. Natürlich ohne Milch und Zucker.

Irene Krause-Hensch:

Eine Tasse morgens, das ist wunderbar. Ich weiß auch gar nicht, ob das was bewirkt. Aber es kann auch sein, dass es nur was im Kopf bewirkt, dass man Kaffee trinken kann.

Sprecherin:

Tatsächlich hat Kaffee aber mehr als einen Placebo-Effekt.

Prof. Andreas Michalsen:

Kaffee und Fasten widerspricht ein bisschen der Tradition. Da gibt es auch hier und da Aufschrei. Aber es ist tatsächlich so, dass Kaffee einige Wirkungen des Fastens unterstützt.

Die Autophagie z.B., das ist ein Selbstreinigungsmechanismus, der beim Fasten sehr stark auftritt. Und zum anderen leiden doch viele Menschen, wenn sie das 1. Mal zumindest fasten, unter Kopfschmerzen und Kreuzschmerzen.

Das hat auch viel mit Kaffeeentzug zu tun. Und das muss ja nicht sein.

Sprecherin:

Dann geht es auf den Barfußpfad. Physiotherapeutin Viola Grenz-Liedtke beginnt mit einem Aufwärmtraining für die Füße. Auch hier das Prinzip, alles mobilisieren, was noch nicht unter dem Morbus-Bechterew gelitten hat.

Viola Grenz-Liedtke:

Ein starkes Fußgewölbe erleichtert oder hilft, den natürlichen Gang zu unterstützen. Deswegen ist es wichtig, dass man an den Füßen anfängt, um irgendwann am Rücken auch zu landen. Okay, jetzt noch mal die 3 Belastungspunkte finden.

Und Sie versuchen mal, ein bisschen rechts-links zu schwenken. Und dann gehen wir über in eine kreisförmige Schwenkbewegung. Das ist schwierig.

Sie kippen hier auch mal ein bisschen weg.

Sprecherin:

Und dann wird es pieksig. Die verschiedenen Untergründe des Barfußpfads stimulieren Haut und Muskeln. Ein intensives Training für die Füße und gleichzeitig für den Rücken.

Viola Grenz-Liedtke:

Das ist viel Stimulation für die Füße, wie Sie jetzt spätestens merken. Intensives Gefühl. Hier piekst es ganz schön.

Sprecherin:

Auch zu Hause soll sie ihre Füße weiter trainieren, so viel wie möglich barfuß laufen, auch mal draußen im Garten.

Viola Grenz-Liedtke:

Und zum Abschluss die kleinen Eicheln.

Sprecherin:

Das ist mega gemein. Der 3. Tag.

Irene Krause-Hensch ist im Klinikpark unterwegs. Sie versucht, sich mit Bewegung abzulenken. Das Fasten macht ihr ganz schön zu schaffen.

Hunger und Appetit hat sie zwar nicht, aber ihrem Körper fehlt die feste Nahrung. Der Kreislauf macht schlapp.

Irene Krause-Hensch:

Heute Morgen ging es mir richtig schlecht. Da hatte ich schweißige Hände. Fühlte mich, als wenn ich eine Glocke auf dem Kopf habe.

Fühlte mich einfach nicht gut. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so anstrengt. Ich hätte gedacht, weil viele zu Hause das machen.

Das wäre für mich unvorstellbar. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so körperlich reagiere. Das hat mich total überrascht.

Sprecherin:

Aber die 55-Jährige will durchhalten. Weiter geht es mit dem Therapieprogramm. Und zwar mit dem Schlingentisch.

Hier kann und soll sie sich für 20 min im wahrsten Sinne des Wortes einfach mal hängen lassen. Das lockert Blockaden, den verkürzten Muskeln. Und auch all die kleinen Rückenwirbel werden gelockert.

Zum Programm der Natur-Docs gehört auch immer eine Gesprächstherapie. Mit Nina Effenberg spricht Irene Krause-Hensch über ihre Stressmomente. Und wie sie diese mit kleinen Tricks im Alltag reduzieren kann.

Bei diesem Kurs, angeleitet von Physiotherapeut Karsten Schönbrunn, soll sie lernen, bewusster ein- und auszuatmen. Auch wenn ihre Brustwirbelsäule bereits versteift ist. Übungen, die sie auch zu Hause machen kann und soll.

Nach 4 Tagen ist Zeit für ein kleines Zwischenfazit. Natur-Doc Andreas Michalsen will wissen, wie es ihr geht.

Prof. Andreas Michalsen:

Die Schmerzen, wo sind die denn jetzt ungefähr? Von der Stärke, diese berühmte Skala 0 bis 10. Was würden Sie sagen?

Irene Krause-Hensch:

Ich würde heute sagen 4.

Prof. Andreas Michalsen:

Aber das ist doch gut.

Irene Krause-Hensch:

Das ist wirklich gut. Aber ich habe mich auch noch nicht belastet heute groß.

Prof. Andreas Michalsen:

Also Sie befürchten, es könnte noch ein bisschen ...

Sprecherin:

Noch immer ist sie skeptisch. Doch der Arzt erkennt schon einen kleinen positiven Trend. V.a. weil sie weniger Medikamente braucht.

Prof. Andreas Michalsen:

Sie hat v.a. auch weniger Schmerzen. Und das im Besonderen auch nachts. Das ist bei Morbus Bechterew ein ganz wichtiger Aspekt.

Wenn da eine Besserung stattfindet, dann heißt es, dass wir in der Entzündung selber unsere Effekte setzen. Dass wir eine Entzündungshemmung doch erreichen. Jetzt muss man natürlich schauen, wie es weitergeht.

Aber der 1. Eindruck ist gut.

Sprecherin:

Ob sich der positive Trend auch zu Hause fortsetzt? Zurück in Lage, ruft sich Irene Krause-Hensch. Die Tipps der Natur-Docs immer wieder in Erinnerung.

Irene Krause-Hensch:

Es hat auf jeden Fall was gebracht. Erst einmal hat es für mich ganz viele Informationen gemacht. Ganz viele neue Therapien.

Auch kennengelernt mit der ayurvedischen Anwendung. So etwas hatte ich vorher gar nicht gemacht. Die Zeit war auf jeden Fall toll.

Sprecherin:

Mit Kurkuma gegen die chronische Entzündung. Seit dem Klinikaufenthalt nimmt sie die Heilpflanze aus der traditionellen asiatischen Medizin ein. Als Kapsel in ausreichender Dosierung.

Denn Studien haben gezeigt, Kurkuma kann entzündungshemmend und schmerzstillend wirken. Nach knapp 4 Monaten will Natur-Doc Andreas Michalsen wissen, was sich getan hat. Er meldet sich per Video aus Berlin.

Prof. Andreas Michalsen:

Wie geht es Ihnen?

Irene Krause-Hensch:

Vielen Dank der Nachfrage. So fühle ich mich fit. Ich kann im Moment, geht halt nicht.

Dafür habe ich neulich Walking-Stöcke. Weil es die Hüfte so wehtut. Aber ansonsten geht es mir gut.

Prof. Andreas Michalsen:

An sich sagen Sie, es geht Ihnen durchaus insgesamt nicht schlecht. Das ist der Gesamteffekt der naturheilkundlichen Behandlung, der da spürbar ist. Aber an der Hüfte selbst ist es noch nicht gut genug.

Da müssen wir nacharbeiten.

Sprecherin:

Doch auch wenn die Schmerzen noch nicht ganz weg sind, sie hat profitiert.

Irene Krause-Hensch:

Das hat mir auf jeden Fall was gebracht. Alleine schon die Erfahrung 7 Tage Heilfasten, dass ich das durchhalte und das so gut gemacht habe. Trotz der Schwierigkeiten, die ich da hatte.

Alleine die Erfahrung, die ich da gemacht habe, dass ich das schaffen konnte, fand ich toll.

Sprecherin:

Tatsächlich macht sie das zu Hause weiter. Einmal in der Woche heißt es Fasten Light. Ein Reistag hilft ihr, den Körper zu entlasten.

Auch etwas gegen die chronische Entzündung. Viele kleine Tipps der Natur-Docs helfen ihr jetzt durch den Alltag und bei der Umsetzung ihres großen Wunsches.

Irene Krause-Hensch:

Ich arbeite nach wie vor an der Beweglichkeit. Das ist das A und O bei mir. Das ist ein großes Ziel, das ich gerne erhalten möchte.