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Knieschmerzen: So helfen Physiotherapie, Fasten, Schröpfen und Blutegel bei Arthrose

Sabine K. leidet unter Arthrose. Schon seit zehn Jahren hat sie starke Schmerzen in beiden Knien und ist in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt. Der 66-Jährigen konnte bisher kein Arzt richtig helfen. Nun versuchen die Natur-Docs Sabines Schmerzen durch Physiotherapie, Schröpfen und den Einsatz von Blutegeln zu lindern. 
 

Sprecherin:

Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.

Davon sind die Ärzte und Therapeuten hier überzeugt, die Natur-Docs. Der Nord-Ostsee-Kanal in Kiel. Hier kann man stundenlang viele Kilometer laufen.

Und sie würde das auch gern, seitdem sie und ihr Mann im Ruhestand sind. Doch die Knie stehen ihr dabei sozusagen im Wege. Nach kurzer Zeit ist Schluss.

Sabine Kahlisch:

Mein Mann geht ja sehr, sehr gerne spazieren und auch jeden Tag. Aber ich kann dann immer nicht mit, weil ich dann weiß, nach einer Weile tun mir die Knie sehr weh. Und ich würde mir wünschen, dass da eine kleine Besserung eintritt, sodass ich dann mehr mit ihm zusammen machen kann.

Sprecherin:

Und zwar eine Verbesserung möglichst ohne Operation, Spritzen und Chemie.

Sabine Kahlisch:

Mein Name ist Sabine Kahlisch, ich bin 66 Jahre alt und habe Kniearthrose.

Sprecherin:

Begonnen hat es mit dem rechten Knie vor zehn Jahren. Kurze Zeit später fing es auch im linken Knie an. Viele Ärzte hat Sabine Kahlisch schon aufgesucht.

Doch richtig helfen konnte ihr bisher keiner.

Sabine Kahlisch:

Sie sagen natürlich in erster Linie, ich soll mein Gewicht reduzieren. Das ist das Erste, was sie mir immer sagen. Aber auch in Bewegung bleiben.

Aber das ist immer so leicht gesagt. Wenn man das alles schmerzt beim Gehen.

Sprecherin:

Ein Teufelskreis, aus dem sie jetzt heraus möchte. Sabine Kahlisch hofft auf die Hilfe der Natur-Docs, während eines mehrtägigen Klinikaufenthalts in Berlin. Chefarzt Andreas Michalsen weiß, bei Arthrose spielen auch chronische Entzündungen eine Rolle.

Es ist nicht nur der Verschleiß allein, der den Knorpel schwinden lässt. Der Natur-Doc versucht es mit Hilfe einer Kokosnuss zu erklären. Der dicke Rand des Fruchtfleischs zeigt den gesunden, der dünne Rand den kranken Knorpel.

Prof. Andreas Michalsen:

Wenn man jung ist und wenn noch keine Schädigung da ist, dann ist eine schöne Knorpelsubstanz da. Dann kommen verschiedene Dinge zusammen. Einerseits das Lebensalter, das bei uns allen in diese Strukturen ein bisschen angreift.

Dann spielt vielleicht das Gewicht eine kleine Rolle. Dann leidet das und dann baut sich, wie man es hier sieht, dann baut sich das ab. Dann ist das ein sich selbst verstärkender Prozess.

Sprecherin:

Knorpelschäden verlaufen häufig in vier Stufen. Zunächst wird das Gewebe weicher. Dann raut die Oberfläche des Knorpels langsam auf.

Mit der Zeit entsteht an der geschädigten Stelle ein kraterförmiger Defekt, der wachsen kann. Die letzte Stufe, die Knorpelschicht, fehlt völlig. Es kommt zur direkten Reibung zwischen Knochen und Knochen, ohne jeglichen Puffer.

Und das kann sehr schmerzhaft sein.

Prof. Andreas Michalsen:

Die letzten 10 Jahre, haben Sie jedes Jahr noch mehr Schmerzen?

Sabine Kahlisch:

Eigentlich ist es immer gleichbleibend, würde ich sagen. Wenn ich lange gesessen habe und dann aufstehe, dann ist es besonders schlimm.

Prof. Andreas Michalsen:

Wie lange dauert es, bis Sie wieder ...

Sabine Kahlisch:

Das dauert schon 15 Minuten, bis ich wieder gehen kann.

Prof. Andreas Michalsen:

Und wie lange können Sie denn überhaupt so wandern, spazieren gehen, bevor es da muckert?

Sabine Kahlisch:

Ohne Tabletten ist das eigentlich gar nicht so möglich.

Sprecherin:

Doch das Problem ist, Sabine Kalisch darf eigentlich kaum Schmerztabletten nehmen. Grund ist eine schwerwiegende Nierenerkrankung. So muss sie oft unfreiwillig zu Hause bleiben, während ihr Mann unterwegs ist.

Sabine Kahlisch:

Wenn ich aufstehe, dann ist es so ein stechender Schmerz. Und das wird zum Abend immer schlimmer, weil dann habe ich das Gefühl, das Bein wird so richtig steif. Und ich kann es gar nicht mehr gut bewegen.

Sprecherin:

Das Einzige, was noch geht, ist Fahrradfahren. Damit versucht sie, ihre Knie so geschmeidig wie möglich zu halten. Denn künstliche Gelenke kommen für sie erst mal nicht in Frage.

Sabine Kahlisch:

Ich möchte mich auch noch nicht operieren lassen. Weil meine Mutter schon operiert worden ist. Und ich das gesehen habe, dass es ihr nicht so sehr viel besser geht damit.

Deshalb möchte ich das so weit wie möglich hinauszögern.

Sprecherin:

Dabei sollen die Natur-Docs sie jetzt unterstützen. Das Team aus Ärzten, Therapeuten und der Pflege bespricht ihren Behandlungsplan. Welche Therapien können helfen, die chronische Entzündung zu reduzieren und ihre Beinmuskulatur so zu kräftigen, dass sie ihre Knie nicht mehr schmerzen.

Prof. Andreas Michalsen:

Wir wollen ja die Schmerzen reduzieren. Das Rückenbild können wir nicht verändern. Die Schmerzen, die im Kniegelenk auftreten, die kommen gar nicht aus dem Gelenk selber.

Das Gelenk selber hat gar keine Schmerzfasern. Also der Knorpel selber tut nicht weh. Das sind die umgebenden Strukturen, die Kapsel, das Bindegewebe, die Muskeln, die Sehnen und Bänder.

Und die können wir natürlich behandeln.

Sprecherin:

Auflagen und Wickeln, physiotherapeutischen Anwendungen, Fasten und Schröpfen. Los geht es mit Physiotherapie bei Malte Hirnich.

Malte Hirnich:

So, dass sie Richtung Wasser schaut. Schön runter und wieder hoch.

Sprecherin:

Sabine Kalisch muss Kniebeugen machen. Zehn Stück, drei Durchgänge. Die kräftigen die Muskulatur rund ums Gelenk, verbessern Koordination und Beweglichkeit beider Knie.

Malte Hirnich:

Anstrengend?

Sabine Kahlisch:

Na ja, es ist anstrengend, aber es ist machbar.

Malte Hirnich:

Anstrengend darf es sein. Ich würde gerne ein bisschen mehr Kraft in die Füße bringen. Sie haben gesagt, Balance ist auch ein Problem.

Dass wir da ein bisschen mehr Kraft und Balance reinbekommen.

Sprecherin:

Das erreicht man, indem man die Fußgewölbe trainiert, am besten ohne Schuhe. Je stabiler die Füße, desto besser für die Knie. Sie werden dadurch entlastet.

Malte Hirnich:

Schön. Geht noch?

Sprecherin:

Ja. Für Sabine Kalisch eine ganz schöne Herausforderung.

Sabine Kahlisch:

Die Krankengymnastik war sehr intensiv. So intensiv hatte ich das bisher noch nicht. Ich bin auch ordentlich ins Schwitzen gekommen.

Ich hatte gedacht, bloß keine Kniebeugen. Aber es ging.

Sprecherin:

Weiter geht es mit einer Schröpfmassage. Das ist nicht so einfach. sondern mit so einem Gerät.

Der Vorteil, es können beide Knie gleichzeitig bearbeitet werden. 15 Minuten lang, einmal am Tag, soll Sabine Kalisch ihre Knie so massieren lassen.

Prof. Andreas Michalsen:

Das ist eine Vakuum-Saug-Druckmassage. Da kommt Unterdruck, dann ist es wieder weg. Was passiert, ist, dass im Gelenk selber und auch in der Gelenkkapsel, das wird richtig gut durchmassiert, durchgeschüttelt.

Da kommt alles in Fluss. Die Durchblutung, das Lymphgewebe drumherum, die Kniegelenksflüssigkeit.

Sprecherin:

Zum Programm der Natur-Docs gehört auch das Heilfasten. Sabine Kalisch bekommt abwechselnd Reis- oder Haferschleim. Fasten hat eine stark antientzündliche Wirkung.

Allerdings, mit Genuss hat das wenig zu tun.

Sabine Kahlisch:

Zuerst habe ich gedacht, was ist das denn? Reisschleim, ganz wässrig und Haferschleim. Ich habe auch gedacht, dass da wenigstens ein bisschen Gewürze reinkommen.

Aber mit den Tagen habe ich mich daran gewöhnt.

Sprecherin:

Zum Glück bekommt sie auch keine Kopf- oder Rückenschmerzen, wie es oft beim ersten Fasten passiert. Auch die Ernährung insgesamt spielt eine Rolle bei Arthrose. Sabine Kahlisch soll sich möglichst pflanzlich ernähren.

Denn erwiesen ist, gute Fette wie Olivenöl, dazu eine bunte Auswahl aus Gemüse und Obst, das alles enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe und wirkt dadurch entzündungshemmend. Warme Auflagen und kalte Wickel sorgen für eine bessere Durchblutung.

Pflegerin:

Wie ist es mit der Temperatur? Das ist gut.

Sprecherin:

Hier in der Variante mit warmen Bockshornklee.

Pflegerin:

Damit es schön die Wärme hält. Das ist bei dem Boxhornwickel das A und O, dass er möglichst lange schön warm bleibt.

Sprecherin: 

Mindestens eine halbe Stunde lang soll der Wickel einwirken. Nach der Entspannung muss Sabine Kalisch wieder aktiv werden.

Aquagymnastik fördert schonend die Beweglichkeit der Gelenke. Denn durch den Wasserauftrieb verringert sich das Körpergewicht und die Knie werden trotz intensiver Übungen entlastet. Das Training unter Wasser regt auch den Stoffwechsel an.

Nach 5 Tagen ist Zeit für ein Zwischenfazit. Andreas Michalsen will wissen, ob sich ihre Knieschmerzen schon verändert haben.

Sabine Kahlisch:

Ich finde schon, dass eine Besserung eingetreten ist. V.a. durch das Bewegungsbad und die Krankengymnastik. Das hat mir sehr geholfen.

Es ist schon besser geworden.

Prof. Andreas Michalsen:

Wie viel Gewicht haben Sie verloren?

Sabine Kahlisch:

6 kg habe ich schon verloren.

Prof. Andreas Michalsen:

Das ist natürlich sehr viel. Das ist aber auch nicht schlecht. Eine gewisse Entwässerung ist in der Regel auch günstig.

Und die 6 kg Masse sind gut für die Gelenke. Wenn wir weniger das belasten. Das Beste kommt ja zum Schluss.

Da kommen dann noch die Blutegel.

Sabine Kahlisch:

Darauf freue ich mich schon.

Sprecherin:

Und da sind sie auch schon. Die Blutegel. Die medizinische Behandlung mit den Tieren gibt es bereits seit Jahrhunderten.

In Naturdocs versuchen es erst mal mit 3 Egeln am rechten Knie von Sabine Kalisch.

Prof. Andreas Michalsen:

Die Blutegel sind eine Art Wunderwaffe für uns. Das ist nicht übertrieben. Wir haben vor vielen Jahren Studien dazu publiziert.

Wir konnten nachweisen, dass es sehr gut Beschwerden, Schmerzen lindert, Beweglichkeit verbessert. Gerade bei Kniearthrose.

Sprecherin:

Was Forscher bisher wissen, sie saugen sich fest und spucken während des Saugens gleichzeitig in die Bisswunde. Dabei werden viele verschiedene Wirkstoffe freigesetzt, die bis tief ins Gewebe vordringen können. Darunter auch die Proteine Hirudin, Egline und Bdellin.

Diese wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Außerdem wird durch den Blutverlust der Lymphfluss stark angeregt. Ein positiver Nebeneffekt im Kampf gegen Arthrose.

Prof. Andreas Michalsen:

Das erklärt, warum oft Menschen schon am Tag nach der Blutegel-Therapie sagen, die Schmerzen sind fast weg. Das habe ich noch nie erlebt. Es erklärt aber nicht, warum dieser Effekt oft Wochen und Monate lang anhält.

Da kann ich nur sagen, wir wissen es nicht. Aber es hat so eine verlässliche Wirkung bei 80-90% unserer Patienten, dass wir es sehr gerne einsetzen.

Sprecherin:

Auch bei Sabine Kahle schlägt die Behandlung an. Schon nach kurzer Zeit merkt sie, sie hat weniger Schmerzen im rechten Knie. Doch ob die Blutegel auch längere Zeit wirken, das wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Zurück in Kiel. Sabine Kahle hat im letzten halben Jahr versucht, die Tipps der Natur-Docs weiter umzusetzen. So beim morgendlichen Müsli.

Das enthält jetzt nicht nur fettarmen Joghurt, Haferflocken, Leinsamen und Zimt, sondern auch Hagebuttenpulver. Untersuchungen haben gezeigt, diese Heilpflanze kann entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Einen kleinen Dämpfer musste Sabine Kahle allerdings hinnehmen.

Vor fünf Wochen hat sie sich das rechte Handgelenk gebrochen. Welche Folgen das für ihre Kniearthrose hatte, das will Andreas Michalsen jetzt wissen. Er meldet sich per Video.

Prof. Andreas Michalsen:

Durch das Handgelenk wurde alles aufgehalten. Wie steht es denn jetzt um Ihre Kniegelenke?

Sabine Kahlisch:

Die sind schon ein bisschen besser geworden. Das Befinden ist schon ein bisschen besser. Ich hatte im Februar eine weitere Blutegel-Behandlung von meinem linken Knie.

Da habe ich einen Orthopäden gefunden, der das auch anbietet. Das hat mir schon geholfen.

Prof. Andreas Michalsen:

Das ist doch gut, wenn Sie darauf positiv reagieren. Man kann es ja wiederholen.

Sabine Kahlisch:

Ich habe gemerkt, Bewegung tut mir sehr gut. Das ist das, was mir wirklich gut tut. Das habe ich auch in Berlin schon festgestellt.

Die Gymnastik, die wir da gemacht haben, die Krankengymnastik, das hat mir schon sehr geholfen.

Prof. Andreas Michalsen:

Das ist wirklich sehr wichtig. Wie Sie es auch gesagt haben, man muss für sich herausfinden, was für einen selber am besten läuft.

Sprecherin:

Das hat Sabine Kalisch bei den Natur-Docs geschafft. Für sie bedeutet das weniger Schmerzen bei weniger Chemie, dafür aber mehr Lebensqualität. Damit sind eine OP und künstliche Gelenke erst mal in weite Ferne gerückt.