Fatigue und Schmerzen mit natürlichen Methoden behandeln
Fatigue äußert sich durch anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit. Die Natur-Docs vom Immanuel Krankenhaus Berlin setzen auf natürliche Therapien wie Massagen, Yoga und Atemübungen. Diese können helfen, neue Kraft zu gewinnen und die Beschwerden zu lindern.
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Fatigue und Schmerzen mit natürlichen Methoden behandeln | Natur-Docs
Chronische Erschöpfung, Kraftlosigkeit und Müdigkeit: So beschreiben Fatigue-Betroffene ihre Symptome. Die Natur-Docs begegnen der Krankheit mit natürlichen Therapien wie Massagen, Yoga und Atemübungen. Fatigue-Betroffene sind chronisch erschöpft. Massagen, Yoga und Atemübungen können der ständigen Müdigkeit entgegenwirken.
Sprecherin: Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.
Davon sind diese Ärzte und Therapeuten überzeugt. Die Natur-Docs. Mit dem Cabrio hat sie sich letztes Jahr einen Lebenstraum erfüllt.
Kathleen Gleisberg. Damit kann sie durch die Landschaft im Harz düsen. Und das trotz Schmerzen, trotz Krankheiten.
Wenn sie mit ihrem gelben Flitzer unterwegs ist, fühlt sie sich endlich mal frei.
Kathleen Gleisberg: Seit der Erkrankung ist so gelb meine Lebensfarbe. Das ist die Sonne, das sind Leuchten. Das ist die gute Laune, wenn man damit fährt, man blendet die Sorgen aus, die Ängste, die Schmerzen.
Sprecherin: Denn Schmerzen und Erschöpfung bestimmen ihren Alltag. Und das schon seit vielen Jahren.
Kathleen Gleisberg: Mein Name ist Kathleen Gleisberg. Ich bin 47 Jahre alt, habe eine Fatigue und Fibromyalgie.
Sprecherin: Fatigue und Fibromyalgie, gleich 2 sperrige Fremdwörter. Hinter ihnen verbergen sich starke Beschwerden. So ist Kathleen Gleisberg ständig müde und erschöpft.
Symptome der Fatigue. Und als wenn das nicht schon genug wäre, hat sie dazu chronische Schmerzen ohne körperliche Ursache. Typisch bei Fibromyalgie.
Kathleen Gleisberg: Mir tun die Gelenke weh, die Knie, mir tun die Schultergelenke weh. Mir tun die Fingergelenke weh. Eigentlich tut mir von unten bis oben alles weh.
Sprecherin: Goslar im niedersächsischen Harz. Hier lebt Kathleen Gleisberg seit 7 Jahren. Es ist unüberhörbar. Berlin und Brandenburg sind eigentlich ihre Heimat. Doch der Liebe wegen ist sie in die Berge gezogen, zusammen mit ihrem 15-jährigen Sohn. Das mit den unerklärlichen Muskel- und Gelenkschmerzen beginnt nach ihrer Schwangerschaft.
Kathleen Gleisberg: Schon nachts, wenn der Körper zur Ruhe kam, wenn ich im Bett gelegen hab, da hab ich schon manchmal manche Träne verdrückt und manchen Wutausbruch gekriegt.
Sprecherin: Ihr Arzt vermutet damals Rheuma als Ursache, verschreibt ihr starke Medikamente. Aber die Schmerzen bleiben. Es muss endlich was passieren.
Sie hofft auf die Hilfe der Natur-Docs. Und zwar hier, im Immanuel Krankenhaus in Berlin-Wannsee. In der Klinik stehen Verfahren der Naturheilkunde im Vordergrund, ergänzend zur Schulmedizin.
Für Natur-Doc Andreas Michalsen und sein Team ist Kathleen Gleisberg eine echte Herausforderung. Denn seit vielen Jahren schluckt sie einen großen Medikamenten-Cocktail. Und das jeden Tag.
Kathleen Gleisberg: Der aktuelle Stand ist, dass ich Ibuprofen nehme.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wie oft?
Kathleen Gleisberg: Morgens täglich.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Täglich?
Kathleen Gleisberg: Jaja, eine 400er. Dann eine Pantoprazol für den Magen. Dann Cortison, Pregnisolon.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Warum den Cortison?
Kathleen Gleisberg: Ja, als Basismedikament im Moment für die Schmerzen, für diese rheumatischen Schmerzen.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wobei ja bei Ihnen gar nicht so klar ist, ob das eine rheumatische Schmerzverursachung ist oder nicht. Sie hatten noch geschrieben, dass Sie manchmal auch ein Medikament namens Tilidin einnehmen. Das hat mich schon sehr gewundert. Weil das ist ja ein sogenanntes Opiat oder Opioid. Also das holt man eigentlich erst dann aus der Arzttasche, wenn nichts mehr geht.
Kathleen Gleisberg: Dann bin ich 2013 zugekommen. Einfach, um mal wieder ein Gefühl zu haben, wie sich das anfühlt, keine Schmerzen zu haben.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Und war es auch so?
Kathleen Gleisberg: Ja, zum Anfang war es dann besser. Und die nehme ich bei Bedarf immer noch. Wenn es ganz schlimm ist.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wie oft ist denn der Bedarf?
Kathleen Gleisberg: Zweimal die Woche.
Sprecherin: Die 47-Jährige in ihrem Fotostudio in Goslar. Hauptberuflich ist Kathleen Gleisberg Optikerin. Doch wenn sie Menschen kreativ in Szene setzen darf, dann vergisst sie alles um sich herum.
Auch, dass alles in ihrem Körper wehtut. 2019 kommt der nächste Schlag, Brustkrebs. Es folgen Chemotherapie, zwei Operationen.
Und noch mehr Medikamente.
Kathleen Gleisberg: Jetzt hast du so lange gekämpft. Und jetzt kommt der Krebs und macht noch mehr kaputt. Und setzt dich so außer Effekt.
Diese ganze Chemotherapie hat noch das letzte bisschen Kraft, was überhaupt da war, aus dem Körper rausgezogen.
Sprecherin: Völlige Erschöpfung, eine Fatigue. Keine Seltenheit nach einer Krebserkrankung. Dabei spielen auch verschiedene biochemische Faktoren eine Rolle.
Denn ein Tumor ist nicht einfach nur eine bösartige Geschwulst. Er beeinflusst den Körper auf mehreren Wegen. Den Stoffwechsel, verschiedene hormonelle Abläufe und auch das Immunsystem.
Bei einer Chemotherapie werden nicht nur die bösen Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen zerstört. Mögliche Folgen sind Blutarmut, Nervenschäden, aber auch Schlaf- und Gedächtnisprobleme. Und auch andere starke Krebsmedikamente und Operationen greifen den Organismus und seine natürlichen Prozesse an.
Das alles kann zu einer Fatigue führen.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Ich hab hier so Kärtchen. Das soll einen Akku darstellen. Also wo sind Sie morgens?
Kathleen Gleisberg: Also morgens bin ich bei gelb.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Würden Sie gelb ziehen.
Kathleen Gleisberg: Genau, morgens ist gelb. Und abends? Ja, abends ist ganz klar der rote.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Jetzt starten wir die Behandlung. Sie haben sich ja auch irgendwie Gedanken gemacht. Was wäre denn jetzt Ihr Ziel?
Kathleen Gleisberg: Mein Ziel ist ganz klar, wieder mehr Kraft zu kriegen. Ich hab die letzten 2 Jahre so viel Chemie, so viel Medikamente genommen, dass ich gerne auf natürliche Art und Weise meinen Körper neu stärken möchte.
Sprecherin: Andreas Michalsen berät sich mit seinen Kollegen. Die Natur-Docs wollen versuchen, die Akkus von Katrin Gleisberg wieder aufzuladen. Physiotherapeut und Ärztinnen sind sich einig. Sie muss dringend runter von den vielen Schmerztabletten und auch von dem Kortison.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Zumal diese Medikamente bei ihrer Diagnose nicht zwingend notwendig sind. Das müsste eigentlich ganz gut gehen. Aber es gibt schon auch eine gewisse Problematik dahinter. Z.B. ein Medikament, das Tilidin, das ist ein opiatartiges Medikament. Da gewöhnt sich der Körper daran. Man könnte auch sagen, er wird süchtig danach.
Sprecherin: Sanfte Naturheilkunde statt starker Tabletten. Wird das die langjährigen diffusen Schmerzen von Katrin Gleisberg lindern? Ihre Erschöpfung reduzieren?
Auf dem Plan für den 12-tägigen Klinikaufenthalt stehen zunächst Vitamin-C-Infusionen, Schleimfasten, Yoga, Qigong sowie Bürsten- und Bindegewebsmassagen. Der erste Tag startet mit einer Bürstenmassage à la Kneipp. Kathleen Gleisberg lässt sich von Physiotherapeut Rosario zeigen, wie das geht.
Man beginnt dabei kreisend am rechten Bein und arbeitet sich langsam in Richtung Körpermitte vor. Es sieht etwas schroff aus, hat aber nicht nur auf die Haut einen positiven Effekt.
Frank Ruppenthal: Wir wissen, dass wir über diese Hautreize auch im darunterliegenden Gewebe, dass wir damit die Organe positiv beeinflussen. Dieser Glaube, dass dieser mechanische Reiz so stark ist und was Negatives bewirkt, das stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall.
Sprecherin: Anschließend geht es zum Yoga bei Lehrer Vijay. Atmen im Einklang mit langsamen Bewegungen. Und dabei auch noch die Muskeln ausgiebig dehnen.
Studien haben gezeigt, Yoga hilft, Stress und innere Anspannung zu reduzieren. Was wiederum Schmerzen herunterregulieren kann. Und spezielle Atemübungen, wie das Pranayama, wirken v.a. auf das Vegetarische. Das ist das vegetative Nervensystem.
Yoga-Therapeut Vijay: Wie fühlst du dich jetzt? Echt? Irgendwie ist es so...
Kathleen Gleisberg: Ich konnte die Emotionen jetzt nicht halten. Ja? Es ist irgendwie...
Yoga-Therapeut Vijay: Das ist gut für alle Körper. Du bist leicht, oder?
Kathleen Gleisberg: Es hat so richtig Plopp gemacht. Ich hatte das Gefühl, der hat so eine tolle Stimme gehabt. Der hat so toll gesprochen und so schön angeleitet.
Dass mit diesem Loslassen... Also ich ganz viel wirklich gerade loslassen konnte. Und mit jedem Ausatmer gerade hatte ich das Gefühl, dass ganz viel Anspannung in meinem Körper weggeflogen ist.
Sprecherin: Körper und Seele entlasten, das ist auch das Ziel beim Heilfasten. Haferflocken mit Wasser stehen ab heute bei Kathleen Gleisberg auf dem Speiseplan. Haferschleim statt der sonst üblichen Gemüsesäfte, das ist besser für ihren empfindlichen Magen.
Das Fasten soll ihr helfen, die Ernährung umzustellen. Und ihr Stoffwechsel wird umprogrammiert, der Körper in gewisser Weise tatsächlich entgiftet.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Bei dem Wort Entgiften muss man auch ein bisschen aufpassen. Ich denke, man sollte nicht den Eindruck vermitteln, dass Medikamente Gift sind. Wir können dankbar sein, was für gut wirksame, moderne Medikamente wir haben.
Aber es gibt schon Möglichkeiten, gerade durch das Fasten, die Zellreinigung anzukurbeln. Dann entfernt die Zelle alte, schadhafte Proteine oder schleust auch Bakterien oder Viren raus.
Sprecherin: Die ersten Tage in der Klinik verfliegen. Bis zu 6 Termine täglich hat Kathleen Gleisberg. Mehr Entspannung, weniger Anspannung.
Wie beim Yoga geht es auch beim Qigong darum, Atmung und Bewegung miteinander zu verbinden. Diese kleine Übung kann Kathleen Gleisberg jederzeit in ihren Alltag einbauen, auch ohne Anleitung von Lehrer Lutz Liese. Mit Bindegewebsmassagen wollen die Natur-Docs versuchen, ihr über die Jahre entwickeltes, hypersensibles Schmerzempfinden zu verändern.
Durch das intensive Streichen über die Haut lockert Therapeutin Marisa verklebte und verkürzte Faszien. Und sie bekommt Vitamin-C-Infusionen. Die Erfahrung der Natur-Docs zeigt, gerade Fatigue-Patienten haben da einen erhöhten Bedarf.
Das Vitamin-C soll ihre Zellen stärken, den Reinigungsprozess unterstützen.
In der zweiten Woche geht das Therapieprogramm weiter. Warme Packungen mit einem Schlamm aus Mineralien und Heilerde. Täglich leichte Gymnastik im Schwimmbad und mehrere Besuche der Kältekammer. Ein ganz besonderer Booster gegen starke Schmerzen. Das Ergebnis schon vor dem Ende ihres Klinikaufenthalts kann Kathleen Gleisberg ihre Medikamentendosis reduzieren.
Sie nimmt weniger Kortison und fast gar keine Schmerztabletten. Und zu Überraschung aller hat sie trotzdem weniger Schmerzen.
Kathleen Gleisberg: In mir drin ist so ein Schalter, hat sich so ein Schalter umgesetzt, der ... Der hat mich so befreit. Hätte man mir das vorher gesagt, hätte ich es nicht gedacht, dass das so geht.
Sprecherin: Hat sie es wirklich schon geschafft? Nach so kurzer Zeit, das wäre fast ein Wunder. Nach knapp zwei Wochen fährt sie hochmotiviert wieder nach Hause.
Zurück in Goslar. Kathleen Gleisberg hat mit dem Programm der Natur-Docs weitergemacht und einen kompletten Neustart gewagt. Die Familie zieht demnächst um und einen neuen Job hat sie auch.
Sie kocht nun mit viel mehr Spaß und Leidenschaft, hat ihre Ernährung auf pflanzlich umgestellt. So kommt jetzt Hummus statt Butter auf den Tisch. Dazu macht sie Intervallfasten und ganz viel zur Stressreduktion wie Qigong und Yoga.
Und welchen Effekt hat das auf ihre Gesundheit? Natur-Doc Andreas Michalsen meldet sich zum Abschlussgespräch.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Es ist eine Weile her, dass wir uns gesehen hatten. Wie geht es Ihnen jetzt?
Kathleen Gleisberg: Mir geht es aktuell gut, fast sehr gut. Es hat sich bei mir ganz viel verändert. Schmerztechnisch, der Erschöpfungszustand.
Es ist alles deutlich besser geworden.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Wie viel Schmerzmittel brauchen Sie denn jetzt?
Kathleen Gleisberg: Ich nehme Tatsache aktuell nicht ein einziges Medikament.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Oh.
Kathleen Gleisberg: Genau.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das ist sehr gut.
Kathleen Gleisberg: Wenn mal der Kopfschmerz da ist, weil der Tag so anstrengend ist, nehme ich meine Kopfschmerz-Tablette. Das ist aber ganz selten. Ansonsten nehme ich keinen Kortison mehr.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Auch kein Kortison? Das ist ja hervorragend. Das hätte ich mir gar nicht so träumen gewagt.
Sprecherin: Und auch psychisch ist sie besser drauf. Sogar beim für sie schweren Thema Brustkrebs.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Da sind Sie auch in der Nachuntersuchung und können Sie inzwischen ganz gut damit umgehen?
Kathleen Gleisberg: Ich bin ja, was solche Sachen angeht, nicht tiefenentspannt, aber kurz davor. Ich erinnere mich immer noch an den Yoga-Lehrer, der sagt, lass los. Und wenn so stressige Situationen sind, dann setze ich mich hin und mache erst mal tiefe Atemzüge.
Und dann gehts.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das machen Sie gut.
Sprecherin: Kathleen Gleisberg will auf jeden Fall so weitermachen. Denn sie weiß jetzt, weniger Stress heißt weniger Schmerzen und mehr Kraft.
Kathleen Gleisberg: Ich bin mit mir selber sehr viel achtsamer. Ich höre auf meinen Körper. Wenn der ruft, halt mal kurz an, dann halte ich auch an.
Dann gönne ich mir meine Ruhepausen. Ich fühle mich befreit und bin sehr positiv eingestellt.
Sprecherin: Ihre Akkus sind wieder voll. Wie sie die dauerhaft aufladen kann, das hat Kathleen Gleisberg bei den Natur-Docs gelernt.