Hand-Arthrose
Arthrose verursacht schmerzhafte Gelenkentzündungen und schränkt die Beweglichkeit im Alltag oft stark ein. Viele Betroffene sind deshalb auf Schmerzmittel angewiesen. Die Natur-Docs vom Immanuel Krankenhauses Berlin setzen auf Naturheilverfahren wie Linsenbad und Wickel, um die Beschwerden zu lindern.
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Hand-Arthrose behandeln: Spiegeltherapie, Linsenbad, Ernährung | Natur-Docs
Arthrose-Patienten wie Sabine F. leiden unter schmerzenden Gelenken. Ihre linke Hand kann die 51-Jährige nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Gerade zur Nacht ist sie auf Schmerzmittel angewiesen. Schaffen es Natur-Doc Andreas Michalsen und seine Kolleginnen und Kollegen mit Naturheilverfahren ihre Symptome zu lindern?
Sprecherin: Körper, Geist und Seele als Einheit behandeln. Pflanzliche Arzneien, jahrhundertealte Therapien. Doch Naturheilkunde ist moderne Medizin.
Davon sind diese Ärzte und Therapeuten überzeugt. Die Natur-Docs. Hier im Garten verbringt sie ihre Zeit am liebsten.
Doch die linke Hand macht ihr immer öfter einen Strich durch die Rechnung.
Sabine Fuchs: Ich hätte mir nie vorgestellt, dass es so kompliziert ist. Ich bin ein Mensch, der gerne selbstständig ist und nicht auf Hilfe von anderen angewiesen sein will. Für mich ist das schon ein großes Problem.
Mein Name ist Sabine Fuchs, ich bin 51 Jahre alt und leide unter Arthrose.
Sprecherin: Um die Arthrose-Schmerzen zu lindern, hat sie sich am linken Daumensattel-Gelenk operieren lassen. Doch geholfen hat das wenig.
Sabine Fuchs: Die Schmerzen sind von der Arthrose zwar weniger, dafür ist die Hand aber wesentlich unbeweglicher. Was natürlich auch viele Probleme macht. Ich habe schon Hoffnung, dass es da vielleicht doch noch irgendwas gibt, was mir hilft.
Sprecherin: Das Immanuel Krankenhaus in Berlin-Wannsee. Die Ärzte hier setzen auf Naturheilkunde. Ganz unterschiedliche Verfahren, die in Studien belegt sind.
Natur-Doc Andreas Michalsen möchte sich ein eigenes Bild verschaffen. Wie stark sind Sabine Fuchs' Einschränkungen?
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Jetzt habe ich hier, nicht um Sie zu ärgern, sondern um eine Einschätzung, zwei typische Funktionen aufgebaut, die einem schwerfallen, wenn man ein Arthrose-Problem hat, v.a. am Daumen. Einfach, dass Sie mal einen Versuch machen. Vielleicht starten Sie mal mit dem Großen.
Sabine Fuchs: Nein, hier, das ist schon, weil ich das nicht gehalten kriege. Ich kriege es nicht gehalten. Bei einer Flasche würde ich mir vielleicht so einen Arm klemmen.
Dann geht das schon eher.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Aber klar, man hat es gesehen, Sie können nicht richtig fixieren.
Sprecherin: Das liegt nicht nur an der Arthrose. Auch eine Folgeerscheinung der Operation schränkt sie ein.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das, was Sie danach erlitten haben, wenn die Hand so reagiert mit einer Schwellung, dass die Schmerzen nicht weggehen, das nennt man ja auch SUDEC-Syndrom.
Sprecherin: Die Ursache des komplexen Schmerzsyndroms Morbus SUDEC ist nicht geklärt. Mediziner vermuten, dass es nach einer Operation zu einer Fehlsteuerung des Körpers kommt. Schmerzsignale werden vom Gehirn falsch verarbeitet und rufen eine Reaktion des Autologen an.
Die Reaktion des Autologen führt zu einer Entzündung im betroffenen Gewebe und zu Fehlfunktionen von Blutgefäßen und Nervenzellen. Die Folge sind anhaltende Schmerzen, Schwellungen, Berührungsempfindlichkeit sowie Bewegungseinschränkungen der Hand.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Behindert Sie das stark im Alltag? Im Haushalt, ja. Wie ist es mit Autofahren?
Sabine Fuchs: Kurze Strecken völlig okay. Aber so lange Strecken, das schaffe ich nicht. Ich kann das Lenkrad nicht so lange so richtig festhalten.
Sprecherin: Zehn Jahre kämpft Sabine Fuchs schon mit den Arthroseschmerzen. Nicht nur die Linke, auch die rechte Hand und ihre Knie sind angegriffen. Ihr Alltag gleicht daher mittlerweile einem Hindernislauf.
Überall lauert die nächste Herausforderung.
Sabine Fuchs: Bei der Arbeit ist es so, ich muss da viel telefonieren und Sachen am Computer eingeben. Da kann ich nicht lange das Telefon halten. Man drückt das Telefon mit der flachen Hand gegen das Ohr.
Nach ein, zwei Stunden Arbeitszeit fängt die rechte Hand an und tut wirklich weh.
Sprecherin: Die operierte linke Hand benutzt sie kaum noch. Muss sie etwas festhalten, z.B. eine Schüssel beim Brotbacken, klemmt sie sich diese lieber umständlich unter den Arm. Probiert hat sie schon viel.
Physiotherapie, Ergotherapie, Übungen zu Hause. Geholfen hat es immer nur kurzfristig. Die Schmerzen sind geblieben.
Auf einer Skala von 1 bis 10 ordnet sie diese bei 7 ein.
Sabine Fuchs: Ich habe Schmerzmedikamente, die ich dann zur Nacht nehmen muss. Die helfen mir in dem Sinne, dass ich zumindest erst mal einschlafen kann. Ohne große Schmerzen.
Sprecherin: Anhand eines Modells möchte Internist Andreas Michalsen verdeutlichen, was nun passieren muss.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Bei der Arthrose sagt man oft, es ist Abnutzung. Aber da sehen Sie, das ist ein bisschen verkohlt, ein bisschen übertrieben dargestellt. Aber das Bild ist gar nicht schlecht, dass man sagt, Arthrose ist auch immer etwas Entzündung.
Sprecherin: Die Entzündungen brennen sich in den Knorpel wie Feuer ins Holz. Darum ist das 1. Ziel, löschen.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Da jetzt. Jetzt gibt es natürlich auch Cortison oder Ibuprofen. Aber das löst nicht das Problem.
Das heilt nicht die Entzündung, sondern das drückt sie immer nur kurz nach unten. Sobald Sie es nicht mehr einnehmen, geht es wieder hoch. Das ist keine nachhaltige Lösung.
Deswegen würde ich bei Ihnen unbedingt das Fasten ausprobieren. Das ist stark entzündungshemmend. Wir müssen irgendwie alles nutzen, was wir haben.
Sprecherin: Außerdem soll das umfassende Programm ihre Schmerzen reduzieren. Und die Funktion der Hand verbessern. Daher steht nicht nur Fasten auf dem Plan, sondern auch Physio- und Ergotherapie, Spiegeltherapie, Kältekammer und Entspannungstechniken wie Yoga und Qigong zur Stressreduktion.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: In der Medizin gewinnt heute der Schmerz eine immer größere Bedeutung. Weil man sagt, Schmerz macht auch Stress. Das kennen Sie wahrscheinlich. Deswegen machen wir Stressreduktion. Wir versuchen, insgesamt auf sie einzuwirken.
Sprecherin: Gleich am nächsten Morgen startet dann die Behandlung. Los geht es mit Ergotherapie.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: In der Ergotherapie, wie auch in der Physiotherapie, versucht man durch Unterstützung, durch kleine Tricks, die Beweglichkeit zu vergrößern. Durch Wärme, durch unterstützende Mittel.
Sprecherin: Zum Beispiel in einem Linsenbad. Das gibt es in kalter und warmer Ausführung.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Bei Wärme und Kälte gibt es keine pauschalen Wahrheiten für die Gelenke. Wir fragen immer nach, was ist angenehmer, was war angenehmer. Und das Angenehme ist das Richtige.
Sprecherin: Sabine Fuchs hat sich für die warme Variante entschieden. Die Linsen, genau wie das warme Paraffinbad, fördern die Durchblutung und lösen verspannte Muskeln. Es werden Heilungsprozesse angeregt und die Arthrose-Schmerzen verringert.
Das Mittagessen fällt heute klein und flüssig aus. Denn Sabine Fuchs hat mit dem Heilfasten begonnen. Fünf Tage keine feste Nahrung, um die Entzündungen im Körper zu löschen.
Mehr oder weniger gestärkt geht es zum nächsten Termin. Wegen der Schwellung und der Schmerzen hat Sabine Fuchs ihre linke Hand immer weniger benutzt.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das passiert ganz unbewusst. Die wird ein bisschen mehr weggepackt, weggesteckt. Weil ihr Gehirn geht quasi davon aus, na ja, das darf ich nicht so ganz in die Funktion bringen.
Da stimmt ja was nicht. Und das tut der Sache nicht gut.
Sprecherin: Das soll sich nun ändern mit der Spiegeltherapie.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Jetzt machen wir quasi mit dem Spiegel für das Gehirn so eine Art optische Täuschung. Und dazu würde ich Sie bitten, jetzt linke Hand, linken Unterarm hinter den Spiegel zu legen. Und wenn Sie da ja im Spiegel jetzt reingucken, dann sieht das ja so aus wie Ihre linke Hand.
Das heißt, wenn Sie da jetzt drauf gucken, dann denkt Ihr Gehirn, ja, das ist die linke Hand.
Sprecherin: Sabine Fuchs soll nun die gesunde Hand bewegen und dabei immer auf das Spiegelbild schauen. Dem Gehirn wird so vorgetäuscht, dass die Bewegung der linken kranken Hand doch funktioniert.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Und diese Information, die bewirkt dann, dass das Gehirn anfängt, die linke Hand wieder aktiver zu beteiligen.
Sabine Fuchs: Also die Spiegeltherapie, das war wirklich ganz interessant und auch sehr spannend. Das kannte ich ja vorher nicht. Und es war wirklich so, wenn man diese gesunde Hand bewegt hat, hat man irgendwie das Gefühl, dass in der kranken Hand sich auch irgendwas tut, dass sich da was bewegt.
Das war ganz spannend, das zu erleben.
Sprecherin: Der nächste Tag startet kalt, sehr kalt. Sabine Fuchs hat einen Termin in der Kältekammer. Bei minus 110 Grad.
Sabine Fuchs: Das ist schon eine besondere Erfahrung, aber es ist gut, doch gut auszuhalten. Man muss sich ein bisschen bewegen, und dann hält man die drei Minuten aus.
Sprecherin: Die sogenannte Kryotherapie schaltet Schmerzen durch Kälte aus. Die extreme Temperatur regt den Zellstoffwechsel an, wirkt durchblutungsfördernd und entzündungshemmend. Alles okay?
Sabine Fuchs: Wenn man dann rauskommt, man ist richtig eiskalt. Aber wenn man sich wieder aufgewärmt hat, dann geht es einem richtig gut. Dann fühlt man sich gut, dann ist man fit, die Schmerzen sind weg.
Es ist eine gute Erfahrung. Ein Erfolgserlebnis.
Sprecherin: Das gibt Rückenwind. Nach dem Aufwärmen bekommt Sabine Fuchs noch einen Retterspitzwickel angelegt. Die Kräuterlösung wirkt gegen Entzündungen, Schmerzen und Schwellungen.
Zu Hause, zurück an der Ostseeküste und in der Natur, soll sie die Wickel auch im Alltag selbst anwenden. Natur-Doc Andreas Michalsen hat noch eine weitere alltagstaugliche Idee, um die Arthrosebeschwerden langfristig zu mildern.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Heute verordnen wir und empfehlen wir ganz oft Gewürze. Das ist was ganz Erstaunliches. Die Gewürze sind pikant, sie leuchten.
Und diese Farbstoffe, diese Geschmackstoffe, die haben auch eine entzündungshemmende Wirkung. Manche auch eine schmerzlindernde Wirkung.
Sprecherin: Vor allem von Kurkuma ist der Arzt überzeugt.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Da gibt es auch tatsächlich gute Studien, die zeigen, wenn man Kurkuma täglich so ein Teelöffel voll zu sich nimmt, dann hat das eine Wirkung wie ein Schmerzmittel. Sie haben ja gesagt, Schmerzstärke 7. Und in den Studien ist es so, das geht dann runter so auf Schmerzstärke 5.
Das ist jetzt nicht sehr stark, aber immerhin.
Sprecherin: Der Vorteil, die Gewürze wirken im ganzen Körper, nicht nur in der Hand.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Bei Ihrer Arthrose, die ja wirklich auch schon kein leichter, schwerer Grad ist, würde ich aber auch empfehlen, Kurkuma als Kapsel mal auszuprobieren. Dann haben Sie die sichere Wirkung, die sichere Dosis.
Sprecherin: Die erste Woche im Immanuel Krankenhaus geht zu Ende. Eine zweite liegt noch vor Sabine Fuchs. Ist das der richtige Weg, um ihre Beschwerden in den Griff zu bekommen?
Drei Monate später. Sabine Fuchs kocht Kaffee für einen gemütlichen Nachmittag mit ihrem Lebensgefährten. Noch vor wenigen Monaten hätte sie dabei auf ihre linke Hand verzichtet.
Sabine Fuchs: Da war das Problem, dass ich eine volle Kaffeetasse nicht gerade halten konnte. Die ist mir immer so umgekippt in der Hand. Ich kann ganz normal wieder eine Kaffeetasse durch die Gegend tragen.
Sprecherin: Auch beim Autofahren kann sie wieder ordentlich zupacken. Die Belohnung für harte Arbeit. Denn Sabine Fuchs hat bis heute das Programm der Natur-Docs eisern durchgezogen.
Paraffinbad, Retterspitzwickel und Fingertüten. Die Para-Übungen sind nun fester Bestandteil ihres Alltags.
Sabine Fuchs: Ich habe mir einen anderen Job gesucht, wo ich einfach mehr in Bewegung bin. Das ist richtig gut jetzt.
Sprecherin: Auch Andreas Michalsen ist neugierig und möchte wissen, was sich in den letzten Monaten getan hat. Per Video meldet er sich zum Abschlussgespräch.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Auf dieser berühmten Skala von 0 bis 10. 0, kein Schmerz. 10, hält man nicht aus. Wo stehen Sie jetzt?
Sabine Fuchs: Die Bewegung ist besser. Schmerzen sind deutlich besser. Jetzt bin ich so bei 2 bis 3.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Oh, das ist ...
Sabine Fuchs: Wesentlich besser.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Das ist wirklich sehr gut.
Sprecherin: Schmerzwert mehr als halbiert. Ein toller Erfolg. Durch die Verbesserung kann sie auch auf die Schmerzmedikamente zur Nacht weitestgehend verzichten.
Prof. Dr. Andreas Michalsen: Der Behandlungserfolg ist sehr, sehr gut. Man nimmt es ja immer so entgegen. Aber das ist ja nicht immer garantiert, dass das so gut läuft.
Wir arbeiten dran, Sie arbeiten dran. Aber ein sehr gutes Behandlungsergebnis. Schmerzen, 2 bis 3.
Das ist ja so etwas ... Dann ist das stabil. Da haben Sie jetzt erst mal wieder Lebensqualität.
Meine Empfehlung ist natürlich, machen Sie das alles weiter. Das wird sie.
Sabine Fuchs: Mein Ziel ist definitiv erreicht. Aber dass es so schnell geht, hätte ich eigentlich nicht erwartet.
Sprecherin: Sabine Fuchs hat es geschafft. Sie konnte den Teufelskreis durchbrechen. Weniger Schmerzen, mehr Beweglichkeit. Mithilfe der Naturheilkunde.