Arthrose

Aus ayurvedischer Perspektive ist die Arthrose, im Sanskrit sandhi-gata-vata genannt (wörtlich: „das ins Gelenk gegangene Vata“), der großen Gruppe der vata-vyadhi zuzuordnen.

Was ist Arthrose?

Dies sind Erkrankungen, in denen das kinetische Vata-Prinzip als pathogenetischer Faktor überwiegt. Im Ayurveda werden alle Formen von Bewegung dem Vata-Prinzip zugeordnet. Dementsprechend fallen Erkrankungen, welche Bewegungs- und Transportvorgänge des Körpers beeinträchtigen, in den Formenkreis vata-vyadhi.  Als betroffene strukturelle Komponenten der vata-vyadhi sind besonders die ayurvedisch definierten „Gewebe“ Knochen (asthi), Muskulatur, Sehnen (snayu) sowie Bänder und Nerven zu erwähnen. Im Falle von sandhi-gata-vata (im Folgenden als Arthrose bezeichnet) sind dies pathologische Veränderungen sämtlicher Gelenke.

Verschiedene Vata-aggravierende Faktoren können an der Entstehung der Arthrose mitwirken, 
hierzu gehören u. a. 

  • trockene und kühlende Nahrungsmittel, zu leichte Kost, Nahrungskarenz, Fasten, Kälte
  • körperliche Überlastung durch körperliche Arbeit, Sport und übermäßigen Geschlechtsverkehr
  • physische Traumata
  • chronische und auszehrende Erkrankungen, Kachexie, Atrophien
  • Verletzung von Vitalorganen
  • reduzierende Therapien
  • Unterdrückung körperlicher Bedürfnisse
  • Sorgen, Ängste, innere Anspannung, Schlafmangel

Vata kann bei Arthrosen auf unterschiedliche Weise pathologische Prozesse hervorrufen. Größtenteils ist es als primärer Faktor des Krankheitsgeschehens allein für die Funktionsbeeinträchtigung oder Schädigung der Gewebe des Bewegungsapparates verantwortlich sein. Daneben kann Vata in Kombination mit den beiden anderen ayurvedischen Funktionsprinzipien (Doa) Pitta und Kapha auftreten. Es kann z. B. neben typischen Vata-Anzeichen zu Pitta-Symptomen, wie lokaler Rötung und Erwärmung kommen, die bei der Behandlung berücksichtigt werden müssen. 

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»Vata ist also das dominierende Prinzip in Ätiologie und Pathogenese der Arthrose und zerstört durch seine austrocknende Eigenschaft Gelenke und gelenkassoziierte Strukturen.«
(Sharma PV: Susruta Sarhita)

Naturheilkundliche Diagnose

Die Diagnosepfade richten sich in der Regel nach der klassischen „Acht-Punkte-Diagnostik“ des Ayurveda (astasthana-parikra), die sich aus den folgenden Bestandteilen zusammensetzt

  • Urin-Untersuchung (mutra)
  • Stuhl-Untersuchung (mala)
  • Puls-Diagnostik (nadi)
  • Zungen-Diagnostik (jihva)
  • Palpation und Hautdiagnostik (sparsa)
  • Auskultation und Diagnostik von Körpergeräuschen (sabda)
  • Augen-Diagnostik (netra)
  • Beurteilung des Körperbaus und des Gesamteindrucks (akrti)

Anti-Vata-Therapie der Arthrose

Im Vordergrund der multimodalen ayurvedischen Arthrose-Therapie steht wie dargestellt die Vata-Reduktion. Oft werden hierfür Elemente des klassischen Pancakarma (Kurkonzept bestehend aus fünf Ausleitungsverfahren ) als Basistherapie genutzt. Ansonsten ruht das Therapiekonzept auf den folgenden vier Säulen:

  • Ausleitende Verfahren
  • Äußere Anwendungen
  • Nahrungsergänzungsmittel & Medikamentöse Therapie
  • Ernährung und Verhalten

Ausleitende Verfahren
Eröffnung: Purgieren (virecana), z. B. mit 30 – 40 ml Rizinusöl als Einmalgabe. Bei starken Arthrose-Beschwerden, z. B. der Wirbelsäule, kann das Öl nach strenger Indikationsstellung auch mehrfach verabreicht werden. Darmsanierung mittels Einläufen (basti): Ölklistiere (z. B. mit 30 – 40 ml Narayana-taila) im täglichen Wechsel mit Dekokt-Einläufen (z. B. mit 400 ml Dasamula-Abkochung) stellen ein wesentliches Element der langfristigen Anti-Vata Therapie der Arthrose dar.
Bei Therapieresistenz: Blutentzug (rakta-mokṣana) mittels Blutegeln. Kommt zur Anwendung, wenn sich Schmerzen und Schwellungen der Gelenke nicht zufriedenstellend durch andere Maßnahmen reduzieren lassen. Bei entsprechender Indikation sollten je nach Verträglichkeit 1 – 2 x pro Woche und je nach Größe des Gelenks ein bis zwei Egel lokal angesetzt werden (ohne lange Nachblutungszeiten), solange bis die Symptome sich gebessert haben.

Äußere Anwendungen
Regelmäßige Ölmassagen (abhyaṅga) 1 – 2 x täglich lokal mit Vata-reduzierenden Ölen wie Narayana-, Baladya- oder Dhanvantara-taila sind als Bestandteil der manualtherapeutischen Verfahren bei Arthrose von großer Bedeutung. Darüber hinaus bieten sich Ganzkörperölmassagen zur systemischen Vata-Reduktion an. Lokale Dauerölanwendung (kati-basti), wenn es sich um degenerative arthrotische Prozesse im Bereich der Wirbelsäule handelt, z. B. 30 – 45 Minuten täglich, bis sich die Symptome verbessert haben. Ein gutes Öl hierfür ist wiederum Narayana-taila. Wärmebehandlungen (svedana) können täglich nach der Massage als Wärmepackung, lokale Dampfbehandlungen oder Ganzkörperdampfbäder mit pflanzlichen Heilzusätzen wie Vitex negundo (Nirgundi) angewandt werden. Auch Packungen mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Heilpflanzen (z. B. Commiphora mukul, Vitex negundo) kommen regelmäßig zum Einsatz.

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Bitte beachten Sie:

Außer dem ersten Arztgespräch zur Anamnese im Rahmen unserer naturheilkundlichen Hochschulambulanz werden die Leistungen des Ayurveda bei der Behandlung von Arthrosen zur Zeit leider nicht von den Krankenkassen übernommen. Daher können wir Ihnen ayurvedische Behandlungen leider nur im Rahmen der Selbstzahler und Privatambulanz ermöglichen. Lediglich bei ausgewählten, für wissenschaftliche Studien geeigneten Patienten, werden im Einzelfall ayurvedische Behandlungen ambulant und stationär angeboten.

Bitte wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse und sprechen Sie Ihren Sachbearbeiter darauf an, im Einzelfall sind im Rahmen integrativer Behandlungskonzepte bestimmter Krankheitsbilder eventuell Kostenübernahmen möglich.

17. Januar 2017

Alternative Behandlungsmethoden bei Arthrose

Dr. med. Christian Kessler, Funktionsoberarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, über Arthrose und die naturheilkundlichen Therapiemöglichkeiten bei Gelenkerkrankungen.

 
 
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